strategie gegen pärchenterror

wahrscheinlich habe ich mich in letzter zeit in der öffentlichkeit zu sittsam verhalten.
zum beispiel bin ich bei dem letzten vortrag für eliteschnösel nach nur drei mojitos auf alkoholfreie virgin coladas umgestiegen. und selbst nachdem das fränkische äquivalent zur achten ägyptischen plage (wenig schmeichelhafte bezeichnung für die »besten studierenden« meiner uni, welche zugleich die gefräßigsten sein dürften) das buffet heimgesucht hatte, lagen dort noch vereinzelte anstandstomaten und -häppchen. stets geschmackvoll und bescheiden, so kennen mich meine freunde.
leider. denn würden sie mich anders kennen, wäre ich nächsten freitag sicher nicht zu einem kleinen beisammensein eingeladen, zu dem auch frischgebackene eltern und ein paar, an dessen auto mit hoher wahrscheinlichkeit noch »just married«-dosen rasseln, erscheinen werden. außer mir sind natürlich auch einige andere verkrachte existenzen geladen, die ihr leben nicht auf die reihe kriegen, aber bei denen ist auch spätestens nach einem zehnminütigen gespräch klar, warum deren soziale situation so ist, wie sie ist. bei einigen reicht es, wenn man sie anguckt (ha! das war gerade gar nicht geschmackvoll und bescheiden. hat aber nichts genutzt, die einladung besteht nach wie vor).
ich stehe also mal wieder vor der frage: wen nehme ich mit, um nicht seltsam aufzufallen? novalis ist tot und hildegards freund ist in cambridge. wahrscheinlich also niemanden.
aber, und das wird jetzt viele leser freuen, ich habe mir eine tolle strategie überlegt, mit der sich der pärchenterror abschmettern lassen sollte. es ist nämlich so, dass es im suaheli kein grammatisches geschlecht gibt. stattdessen werden die substantive nach einer völlig undurchschaubaren logik in verschiedene nominalklassen eingeteilt. in zweiten befinden sich zum beispiel pflanzen, die frucht aber findet sich in der fünften neben elefanten. und menschen stehen in der ersten klasse, ihre körper aber wieder woanders.
nach einem derartigen vortrag ist die hälfte der ursprünglich anwesenden gäste sowieso schon längst gegangen. falls dann noch welche da sind, die einen wegen der persönlichen lebenssituation trietzen, kann man gönnerhaft und selbstgefällig auf dieses hinweisen: paariges und unerwünschte personen stehen in der selben nominalklasse.

abgeschmackte wettermetaphorik

schwüle sommerhitze deutet sexuelle spannung an. ein wind zieht auf und trägt einen konflikt mit sich, der sich zu einem sturm auswächst. falls wir uns am meer befinden, schlagen die wellen bedenklich hoch. ein platzregen kühlt das mütchen. jetzt bin ich klatschnass und emotional frustriert, deswegen wird mir kalt. zum glück folgt auf regen wieder sonnenschein, zarte frühlingsblüten illustrieren eine aufkeimende neue liebe. ganz plakativ wird einem nun warm ums herz. diesmal geht es glatt, denn unsere erste begegnung fand auf einer grünen wiese statt. wir altern gemeinsam. natürlich im herbst, wenn die blätter fallen.

aus dem nähkästchen

beziehungsweise aus dem geheimforum der liturgiefarbenkritikerszene, das keineswegs ein nähkästchen ist, denn es heißt ja »liturgiefarbenkritikerszene« und nicht »liturgiefarbenkritikerszene und stolanähkreis«, wobei denjenigen, die die liturgiefarbenkritikerszene nun als destruktive nörgler herabsetzen wollen, gesagt sein soll, dass hegel angeblich mal irgendwo geschrieben hat, er müsse kein schuster sein, um herauszufinden, ob ihm ein schuh passe.
aber nun soll endlich frisch herausgeplaudert werden, was sich aktuell in der liturgiefarbenkritikerszene zuträgt.

ich so zum thema grün:
»spätestens seit den fünfzigern nicht mehr tragbar (vgl. lodenmäntel).«

fünf monate später, d. so zum selben thema:
»Tja, aber das erklär den »feinen Herrschaften« mal. Da redest Du gegen eine Wand.«

die armen alten! die reichen studenten!

mit wasserwerfern tränendrüsen gegen studenten:
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2005/11/26/kom/kom.html

ach ja, herr streiter: ein student zeichnet sich, wie man unschwer am wort erkennen kann, dadurch aus, dass er studiert. jemand mit abgeschlossenem studium ist ein hochschulabsolvent und solche werden landläufig als akademiker bezeichnet. aber vielleicht wissen Sie das ja und haben nur mal rausgefunden, dass das wort student viel schönere ressentiments bei Ihren lesern weckt.

über die ’strophen

es gibt zwei gründe, aus denen ich herrn dativdemgenetivseintod nicht ausstehen kann. erstens halte ich ihn für einen unerträglichen klugscheißer und zweitens halte ich sprache anders als er für dynamisch und nicht statisch. dass das nicht unbedingt schlecht sein muss, lässt sich leicht zeigen. oder hätte jemand lust, das wort »nehmen« folgendermaßen zu konjugieren?

singular:
1. nim-u
2. nim-i-s(t)
3. nim-i-t
plural:
1. nem-ê-m, -ê-n
2. nem-e-t
3. nem-a-nt

ich jedenfalls nicht.

aber ganz ausnahmsweise bin ich jetzt doch ein bisschen sprachbewahrend und führe vor, was für eine lustige apostrophierung ich heute morgen gelesen habe:
»gebr´ratene Nudeln«