qu’il ne faut pas savoir

verspürte angeregt vom genuss wabensüßer früchte lasziver physis an meinem gaumen, getränkt vom saft ihres fleisches, der sich, klebrig aus ihnen prallen knospen ergossen, an meine finger haftete, drängendes begehren aufwallen, meiner STOP HIER! schau nieder auf die umschlagbilder der romane roger peyrefittes und frage dir mit mir: warum zum teufel sehen die aus wie highlanderbücher?
solange die nicht seriöser gestaltet werden, mag ich dem begehren, meiner kleinstbibliothek die heimlichen freundschaften einzuverleiben, nicht so recht nachkommen.

zahl3n und figur3n

pflanzen, mineralien und überhaupt alle stoffe bestehen aus einzelnen teilchen. diese teilchen bauen die dinge, die wir mit unseren augen wahrnehmen, auf wie kristalle, die dinge haben ergo unterschiedliche formen. dies ist durch demokrit bekannt. es gibt günstige und ungünstige kristallformen, deren seitenverhältnisse usw. sich unterscheiden. ungünstige formen weisen bestimmte geometrische figuren auf, deren zahlenverhältnisse dazu führen, dass gewisse andockstellen der teilchen unteinander nicht besetzt werden können. so werden die dinge porös und zerbrechlich. doch sind die teilchen dicht verbunden, so werden die dinge hart. könnten die winzigen teilchen nun gezwungen werden, sich in anderen formen zu ordnen, wäre es möglich, die dinge zu verwandeln. dies kann, wie wir wissen, durch feuer geschehen, so wird ein stück holz zu asche. folglich haben auch die sternenkräfte macht, die dinge zu verändern, den sterne sind wie ferne feuer. doch um sie zu nutzen, müssen ihre positionen bestimmt werden, muss berechnet werden, wie ihre kräfte untereinander sich beeinflussen. mit dem uns bekannten kalender scheint dies nicht möglich. welches also ist der wahre beginn der zeit?

nächtliche groteske

unseren traktor hatten wir direkt vor dem klementinum geparkt; groß und grün war er, und wir saßen mindestens zu zehnt darauf und scherzten. der hof um uns herum war bedeckt von tiefrotem weinlaub, es hatte ungefähr die farbe von korrekturtinte; und eigentlich hätten wir es aufkehren sollen, die unmengen an losen blättern aufschlichten zu vielen kleinen roten tintenhügeln. aber wir waren jung und pausierten lieber, rauchten gemeinsam die ein oder andere heimliche zigarette, bis schließlich der feueralarm den ernst der lage und damit die katastrophe auslöste. in alle richtungen stoben wir auseinander, rannten gehetzt aus dem dorf, neben mir lief hans, der stets lederne kleidung trug, wir eilten durch die straßen; und als wir am anschlagbrett des dorfes vorbeihasteten, an dem das veröffentlicht wurde, was man damals für wichtige mitteilungen hielt, fiel es mir wieder ein. das war kein echter feueralarm. es war nur ein probealarm, auf den wir während der wirren der tintenweinlese vergessen hatten. obwohl für mich durch meine erinnerung nun keine direkte gefahr mehr bestand, wurde ich weiter von den flüchtenden menschen durch die engen gassen der altstadt getrieben, sie zogen mich mit sich, treppauf, treppab; und während ich nun in windeseile eine verwinkelte treppe des architektonisch komplizierten kathedralenhofs hinabstieg, erblickte ich einen blonden mann. sein pferdeschwanz hüpfte jede treppenstufe mit, er war in einen feingesponnenen rokokomantel gekleidet und führte an einem dünnen lederband eine verhärmte menschliche katze. die menschliche katze war mindestens siebzig jahre alt, ihr kleiner frauenkopf war zu einer hässlichen schnauze verwachsen, und sie ging auf einem arm, einem bein, ihrem rattenschwanz und einer doppelten krücke. ihr zweites bein benutzte sie als greifschwanz, ihren zweiten arm, der zu lang gewachsen war, bildete einen greifrüssel. während ich immer noch weiterrannte, konnte ich meinen blick nicht von der erbärmlichen kreatur lassen, was schließlich auch hans bemerkte. er erklärte mir, dass die zucht menschlicher tiere eine art freizeitbelustigung der hiesigen oberschicht darstellte, die umständlichen missbildungen seien erwünscht, die katze müsse auf einer krücke gehen, denn eine menschliche katze ohne greifrüssel sei praktisch wertlos, und die vertauschung von bein und schwanz sei ein besonderer kniff, den nur besonders reiche, alteingesessene adelsfamilien beherrschten. obwohl auch er von diesem hobby abgestoßen war, schien es mir, als könne er eine gewisse begeisterung nur schwer verbergen. und während ich die glitzerndern funken der faszination beobachtete, die aus hans‹; rede in die luft blitzten, erschien mir der blonde mann immer mehr als der inbegriff des bösen. als ich endlich am fuß der treppe angelangt war, eilte ich auf kürzestem weg in mein studierzimmer unter der burg. dort wälzte ich nächtelang bücher. durch eine glückliche fügung hatte ich vor längerer zeit einmal einen geheimgang entdeckt, der mich direkt in die palastbibliothek führte, so dass ich uneingeschränkten zugriff auf alle papierernen schätze des reiches hatte. natürlich war mir das eigentlich nicht gestattet, denn ich war kein mitglied einer der herrschenden familien. schlimmer noch, ich hatte in meinem traumland gar keine näheren angehörigen, nur einen mentoren, und auch diesen hatte ich noch nie gesehen. er verständigte sich mit mir nur durch botschaften und hatte die fäden meines schicksals schon einige male im richtigen moment gezogen, so dass sie wieder in die richtigen schlaufen und maschen fanden. nur einmal hatte ich seine mutter in einer zwielichtigen kneipe getroffen. sie war eine bekannte trinkerin, und unbedarft wie ich war, hatte ich sie auf ein glas weißwein eingeladen, was dazu geführt hatte, dass ich mit einer rechnung von über hundert euro in einem lokal saß, das ich mit etwas mehr erfahrung nie freiwillig betreten hätte. meinem mentoren aber gelang es durch geschicktes taktieren, mich auszulösen und die rechnung so zu verändern, dass ich am ende noch etwas geld herausbekam. bei meinen nächtlichen besuchen in der bibliothek aber durfte ich mich nicht erwischen lassen, denn das wort meines mentoren schien zwar einiges an gewicht zu haben, ob es aber ausreichte, um mich vor dem zorn des herrschenden hauses zu retten, war mir nicht klar, und auf einen versuch ließ ich es lieber nicht ankommen. nur in meinem geheimen studierzimmer war ich vollkommen sicher, denn das existierte nur in meiner persönlichen traumwelt, niemand sonst außer mir hatte kenntnis davon. durch diese widrigkeiten wurden meine studien sehr erschwert, und es kostete mich unzählige nächte, all die informationen zu besorgen, die für mein vorhaben nötig waren. diverse male war ich gezwungen, meine lektüre zu unterbrechen, da ich draußen vor der tür die schritte der palastwache hörte; stiefelabsätze, die so laut auf dem boden trommelten, als wollten sie dämonen beschwören. stiefelspitzen, die über den boden scharrten, so laut wie ein ganzer stall voll hühner, aufgeregt, weil sie zum schlachtstein geführt werden sollten, wo das silbermesser des alchemisten sie erwartete (tatsächlich war ich der einzige alchemist meiner zeit, der erkannt hatte, dass sich frisches hühnerblut durch den pflanzlichen sud des hahnenfuß ersetzen ließ, ja, dass man damit sogar oftmals bessere resultate erzielte. oder vielleicht war ich der einzige, der das erkennen wollte; ich hatte mehr als einem kollegen in vertraulichen gesprächen von meinen forschungsergebnissen berichtet, dass ich mich als erntehelfer verdingen musste, kam nicht von ungefähr). stiefelschäfte, die knirschten und quietschen wie brechende knochen und verdrehte sehnen. einmal sogar erschreckten mich diese geräusche so sehr, dass ich mein tintenfläschchen umwarf, und die verschüttete flüssigkeit eine lange übersetzung aus dem koptischen völlig unbrauchbar machte. als ich endlich in vielen kleinen schritten und quälend kurzen nächten aus zahlreichen büchern alles zusammengerafft hatte, was ich für meine arbeit brauchte, machte ich mich daran, meine hastig dahingekritzelten notizen im studierzimmer zu ordnen und verschiedene formeln zu entwerfen, mit deren hilfe es möglich sein sollte, einen tiermenschen in seine ursprüngliche form zurückzuverwandeln. die erste arbeitsphase bestand nur aus dem festlegen der basiszutaten und einigen daraus folgenden berechnungen. als grundlage wollte ich einen leichten salbeisud verwenden. für eine wandlungsformel war das zwar eher ungewöhnlich, aber bei rothenfels, den ich wegen seiner grundlegenden erkenntnisse über die verarbeitung der kupfernen weidenrinde hoch schätzte, hatte ich einen hinweis auf eine altägyptische schrift über hautwandlung gefunden. obwohl diese als verschollen galt, entdeckte ich in der palastbibliothek eine kopie, die wohl vor knapp zweihundert jahren von ossip angefertigt worden war. die übersetzung kostete mich eine komplette woche, das studium der abschrift eine weitere, führte mich aber zu einsichten, die ich so nie für möglich gehalten hätte. es schien, als wäre es möglich, den anwendungsbereich des salbeisudes durch hinzufügen weiterer komponenten zu erweitern, als wäre es möglich, den fragilen sud, von dem es eigentlich hieß, jede weitere zutat verdürbe ihn, durch ein pulver zu stabilisieren. leider machte ossip nur ungenaue angaben über die genaue beschaffenheit des pulvers. ob das original lückenhaft war oder ossip sich der gefahr, die die abschrift des vollständigen rezeptes für ihn bedeutet hätte, nicht aussetzen wollte, vermochte ich nicht zu bestimmen. ihm zufolge sollte es sich um ein weißes pulver handeln, durch geschicktes kombinieren mit den ausführungen rothenfels‹ konnte ich immerhin ausmachen, dass die substanz eine neutrale spannung aufweisen musste. der tatsache, dass zumindest ossip vor einer exakten bennenung zurückschreckte, war für mich ein versteckter hinweis auf weißes gold, kein anderer stoff war so gefährlich für einen forscher seines ranges, um diese lücke zu rechtfertigen. dank rothenfels konnte ich zumindest silber und elfenbein ausschließen, da diese eine positive spannung aufwiesen. meine berechnungen, die unter anderem auch salz ausschlossen, da von diesem eine zu große menge nötig gewesen wäre, die schließlich die ätherische wirkung des salbeis neutralisiert und damit den trank ruiniert hätte, ließen nur noch zwei möglichkeiten offen, nämlich pulverisierten marmor und kreide.

sender vs. empfänger

yeah, ich habe bravourös ein quiz zum thema sms-sprache gemeistert. und dabei gelernt, dass hase nicht hase, sondern habe sehnsucht bedeutet, so dass ich jetzt meine kurzkommunikation in völlig anderem licht betrachten muss. deswegen überprüfe ich gerade die gespeicherten nachrichten in meinem händi auf subtile botschaften.
war »kannst du mir bitte am samstag deine unterlagen von der letzten sitzung ling gk 2 zum kopieren mitbringen« etwa eine versteckte liebeserklärung? und bedeutet »schatz« vielleicht gar nicht schatz? versteckt sich darin eine hasstirade (scheiße) auf die münchner stammkneipe (atzinger) des schreibers? und wollte ein anderer bekannter mir mit »immer noch liebhaber von ordentlichen weinen« gar nicht mitteilen, dass er gerne mal wieder einen trinken gehen würde?

erscheinung

vorhin, als ich nach hause lief, imaginierte neben mir mitten auf der straße ein fußball, bedruckt mit lauter rot-weißen logos der firma coca cola. außer ihm, mir und einigen hupenden autofahrern, vor denen ich den kleinen mehr oder weniger unter einsatz meines lebens von der mittelspur rettete, war weit und breit keine menschenseele zu erkennen. seltsam.