glitzer wichser

»überall glitzert und funkelt es«, zumindest behaupten das die leute im fernsehen.
hier allerdings glitzert und funkelt es höchstens, wenn man der fama glauben schenkt, augen könnten vor wut funkeln, denn dann täten die meinigen es in diesem moment. ein moment, der zeitlich genau eine woche vor meinem 26. geburtstag verortet ist. und ein moment, in dem ich aus einem supermarkt zurückkehre, in welchem ich beim kauf einer tafel ritter sport williams-birne trüffel JUGENDSCHUTZGEPRÜFT wurde.
demütigungen pflastern meinen weg.

die tortur des highlanders

es war nicht schön, aber es war zu erwarten.
ich habe ein highlanderbuch gelesen, und es hat mir gar nicht gefallen. schon als ich in der bahnhofsbuchhandlung zum schundständer schlich, fühlte ich mich unwohl und beobachtet. am liebsten hätte ich mich vor den menschen, die mich anstierten, für diesen geschmacksbruch gerechtfertigt. wenn die besitzer dieser grauenhaften augen gewusst hätten, dass ich später auch noch ein seriöses buch kaufen würde, mir wäre wohler gewesen. aber ich habe es ihnen nicht erklärt, denn sonst wären sie wohl wirklich auf mich aufmerksam geworden. und das durfte nicht geschehen. trotzdem spürte ich ihre blicke auf meinem anorak. wäre ich eine figur aus einem highlanderbuch, hätte ich ihre eindringlichen blicke auf meiner haut gespürt, aber das wusste ich noch nicht. ich war ja noch in der bahnhofsbuchhandlung und schleppte mich zur kasse. das war schwierig, denn ich wurde auf dem weg von diesen stielaugen wie an einem schandpfahl fixiert. von der kassiererin wurde ich dann taxiert. ich glaube, sie hielt mich für eine frustrierte hysterikerin (damit hat sie nicht ganz unrecht, ich bin frustriert und hysterisch, aber irgendwie anders als die zielgruppe; darauf muss ich bestehen). als ich dann im zug saß, fiel mir auf, dass ich offensichtlich schon durch die erwägung des kaufs dieses buches iq-punkte verloren hatte. die idee, es vor der uni zu kaufen, war nämlich total bescheuert. ich hatte den ganzen tag über angst, es könne aus meiner tasche fallen. und dann hätte ich nämlich die uni wechseln müssen, was mir jetzt, wo ich so erfolgreich bin und prima protegiert werde, überhaupt keinen spaß gemacht hätte. aber haha, zu diesem zeitpunkt hatte ich ja noch keine ahnung von dingen, die überhaupt keinen spaß machen. denn ich hatte das buch ja noch nicht gelesen.
[bald dann etwas zum plot.]

genitivhäufung

genitive in der trivialliteratur! insbesondere im genre der zeitreiseromanzen, welches sich großer beliebtheit erfreut. eine tatsache, die mir allzu verständlich erscheint, denn schließlich wollen alle frauen mal mit einem achthundert jahre alten schotten ins bett. wirklich alle. ausnahmslos.*
es gibt keine andere erklärung für titel wie diese:
der ring des highlanders, der traum des highlanders, in dem armen des highlanders, das vermächtnis des highlanders, die liebe des highlanders, mit der liebe eines highlanders, das geheimnis des highlanders, die ehre des highlanders, die list des highlanders, das herz des highlanders, das herz eines highlanders, im bann des highlanders, im zauber des highlanders, der zorn des highlanders, der schatz des highlanders, die verlockung des highlanders, das erbe des highlanders, die braut des highlanders, die treue des highlanders, die rache des highlanders, die maske des highlanders, der kuss des highlanders, der geist des highlanders, die rückkehr des highlanders, die heimkehr des highlanders, unter dem schutz des highlanders, das schwert des highlanders, das schicksal des highlanders, die geliebte des highlanders, die tochter des highlanders, die sehnsucht des highlanders, die spur des highlanders, die gefangene des highlanders, der fürst des highlanders und die schwester des highlanders.
bisher dachte ich ja, es könne nur einen geben, aber dem ist offensichtlich nicht so. berücksichtigt man daneben noch herren, die beschrieben werden als
der schwarze highlander, der unsterbliche highlander, der dunkle highlander, highlander meines herzens (welch gefinkelter genitiv!), mein ungezähmter highlander, der widerspenstige highlander, der geheimnisvolle highlander, geliebter highlander, ein highlander auf samtpfoten (es gibt wohl nichts, aus dem man kein katzenbuch machen kann), der stolze highlander,
so wird man feststellen, dass es mindestens fünfundvierzig geben muss. fünfundvierzig mehrhundertjährige schotten, zu denen man sagen kann:
küss mich, highlander,
und nach deren kuss man eventuell dann diesen rat erteilt:
küss niemals einen highlander.
übrigens habe ich keine derartigen bücher über lowlander entdeckt, ebenso keine texte zur alphabetisierungskritik.

* unbequeme wahrheiten müssen niedergeschrieben werden. dafür werde ich mich nicht entschuldigen. außer vielleicht bei meiner mutter.

hilferuf

bis vor ganz kurzem dachte ich, ich litte an einer herbstdepression. nun rief heute ein freund an und korrigierte mich; es handele sich nicht um eine herbst-, sondern um eine winterdepression. danach sollte es um mein privates gehen, ich versuchte, auf gadamer abzulenken, nur gibt dessen privatleben genausowenig her wie meins. das liegt in erster linie daran, dass gadamer tot ist. ich hingegen bin so leidlich am leben und krieche auf dem zahnfleisch, und zwar die immergleiche strecke: hausbar – bett – badezimmer – hausbar – bett et cetera, wo ich relativ wahllos texte über dramenanalyse und thomas mann lese, der mir natürlich auch nicht helfen kann. ein teufelskreis.

strategie gegen pärchenterror

wahrscheinlich habe ich mich in letzter zeit in der öffentlichkeit zu sittsam verhalten.
zum beispiel bin ich bei dem letzten vortrag für eliteschnösel nach nur drei mojitos auf alkoholfreie virgin coladas umgestiegen. und selbst nachdem das fränkische äquivalent zur achten ägyptischen plage (wenig schmeichelhafte bezeichnung für die »besten studierenden« meiner uni, welche zugleich die gefräßigsten sein dürften) das buffet heimgesucht hatte, lagen dort noch vereinzelte anstandstomaten und -häppchen. stets geschmackvoll und bescheiden, so kennen mich meine freunde.
leider. denn würden sie mich anders kennen, wäre ich nächsten freitag sicher nicht zu einem kleinen beisammensein eingeladen, zu dem auch frischgebackene eltern und ein paar, an dessen auto mit hoher wahrscheinlichkeit noch »just married«-dosen rasseln, erscheinen werden. außer mir sind natürlich auch einige andere verkrachte existenzen geladen, die ihr leben nicht auf die reihe kriegen, aber bei denen ist auch spätestens nach einem zehnminütigen gespräch klar, warum deren soziale situation so ist, wie sie ist. bei einigen reicht es, wenn man sie anguckt (ha! das war gerade gar nicht geschmackvoll und bescheiden. hat aber nichts genutzt, die einladung besteht nach wie vor).
ich stehe also mal wieder vor der frage: wen nehme ich mit, um nicht seltsam aufzufallen? novalis ist tot und hildegards freund ist in cambridge. wahrscheinlich also niemanden.
aber, und das wird jetzt viele leser freuen, ich habe mir eine tolle strategie überlegt, mit der sich der pärchenterror abschmettern lassen sollte. es ist nämlich so, dass es im suaheli kein grammatisches geschlecht gibt. stattdessen werden die substantive nach einer völlig undurchschaubaren logik in verschiedene nominalklassen eingeteilt. in zweiten befinden sich zum beispiel pflanzen, die frucht aber findet sich in der fünften neben elefanten. und menschen stehen in der ersten klasse, ihre körper aber wieder woanders.
nach einem derartigen vortrag ist die hälfte der ursprünglich anwesenden gäste sowieso schon längst gegangen. falls dann noch welche da sind, die einen wegen der persönlichen lebenssituation trietzen, kann man gönnerhaft und selbstgefällig auf dieses hinweisen: paariges und unerwünschte personen stehen in der selben nominalklasse.

berufsperspektiven als geisteswissenschaftler

einer meiner kino-arbeitskollegen (mag keine menschen, isst ständig äpfel) hat jetzt endlich ein berufliches ziel gefunden (davon weiß ich, weil ich ihm während unserer gemeinsamen schichten gerne mal gespräche aufdränge). er möchte gerne ein ziereremit werden. ich glaube, er hat in dem bereich ganz gute chancen. als filmvorführer ist er an ein leben in dunklen höhlen (bzw. schlecht klimatisierten projektionsräumen) bestens gewöhnt.

schonungslos offener bericht aus meinem leben

heute war alles insgesamt so unspektakulär und belanglos, dass ich zuerst einen perfekt mit schwanenballett und triangelmusik inszenierten selbstmord in betracht gezogen habe. dann aber, insbesondere, weil die zahl der ballettänzer und triangelspieler in meinem bekanntenkreis gutwillig als unterdurchschnittlich, von bösen zungen aber als nicht existent umschrieben werden könnte, habe ich mich lieber doch für eine heimliche affäre entschieden, mit der sich ganz entzückend mein flair aufpolieren ließe, wenn es denn da überhaupt etwas zum aufpolieren gäbe. glücklicherweise habe ich mir schon während des eher unmotivierten griffs zum desginertelefon eine so aufregende geschichte darüber ausgedacht, wie ich mal gallus bleyziffer beherbergt habe, der aus einem königlichen priesterseminar ausgebüxt war, wobei man sich den könig hier als zehnjährige mit hang zu rosafarbenen wollkleidern und gläsernen turnschuhen vorstellen sollte, dass ich den gedanken an ein nervenaufreibendes techtelmechtel sogleich wieder verworfen und stattdessen den beginn dieser nacht damit verbracht habe, mir von einer flüchtigen bekannten die geschichte davon erzählen zu lassen, wie sie letzte woche die rossellini getroffen hat. und jetzt zur allgemeinen unterhaltung noch ein satz, den ich mal im bus gehört habe und der eigentlich immer, egal in welcher situation, gut passt: »kindergräber haben mehr pep.«

die armen alten! die reichen studenten!

mit wasserwerfern tränendrüsen gegen studenten:
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2005/11/26/kom/kom.html

ach ja, herr streiter: ein student zeichnet sich, wie man unschwer am wort erkennen kann, dadurch aus, dass er studiert. jemand mit abgeschlossenem studium ist ein hochschulabsolvent und solche werden landläufig als akademiker bezeichnet. aber vielleicht wissen Sie das ja und haben nur mal rausgefunden, dass das wort student viel schönere ressentiments bei Ihren lesern weckt.

stadtfeste

sonntag abend waren der t. und ich auf einem; und während er mir abwechselnd über das gefährliche künstliche gemeinschaftsgefühl dozierte, das die dort gespielte pseudorockige blasmusik erzeugt, und »die hände zum himmel« mitgröhlte, tanzte tatsächlich ein kind im stechschritt an uns vorbei.

nicht fair und auch nicht foxy

dass es nicht schadet, sich mit dem objekt seiner artikel wenigstens ansatzweise zu beschäftigen, zeigt claus christian malzahn bei spiegel online. bei nichtbeschäftigen, also so wie in malzahns artikel, entsteht schlimmstenfalls dieses: »Wer von uns hat ein Handke-Buch – sagen wir, der letzten 20 Jahre – von vorn bis hinten durchgelesen und nicht nur weithin sichtbar im Regal drapiert?«, so der eine satz. und dann, haha, »Das Interessanteste, was man in den vergangenen 20 Jahren über den Schriftsteller Peter Handke berichten konnte, war seine Affäre mit der schönen Schauspielerin Katja Flint.« der andere.

aber das reicht wohl nicht aus. »Mit mehr als 15.000 in quälender Langeweile gesetzten Wörtern behelligt uns Handke diesmal«, nörgelt malzahn weiter, ist sich dann aber selbst nicht zu fein, seinerseits mit ekelbröselchen wie « Holla, wie hat der alte Zausel denn die Bella erobert?« (was man sich angeblich fragt, nachdem man durch bunte-lektüre davon erfahren hat, dass der handke mal ne freundin namens katja flint hatte) zurückzubehelligen. scheinheilig auch der vorwurf, handkes text bestehe hauptsächlich aus ressentiments – dem herrn malzahn scheint das eigentlich ja zu gefallen. oder warum sonst sollte er selbst in diesem stil schreiben?
ganz gut dann wieder der letzte satz: »Deshalb schweigen wir ab heute über Handke.« möge der autor des artikels das beherzigen. ein großer verlust wird es nicht sein.

hinzugefügt sei, was ich schon in meiner mail an spiegel online schrieb: herr malzahn, es bleibt Ihnen selbstverständlich unbenommen, meine beschwerde als »banal und weinerlich« abzutun, wie es Ihr bevorzugter umgang mit texten zu sein scheint.