ich will noch einmal sehen wohl in den tiefen rhein

heute nacht ritt ich den rhein hinauf nach rotterdam. bei cöln machte ich station, dort schlug man mir vor, im damensattel zu reiten, was ich aber ablehnte. in rotterdam traf ich gleich abends einen jüdischen schneider, der einen feinen silberfaden sponn; der sollte mir ein kaddisch auf meine ärmelaufschläge sticken. der schneider kannte mich nicht, so überbrachte ich ihm eine empfehlung meines waffenbruders katz; daraufhin zeigte er sich vertraulich und bestickte er mir bis zum morgengrauen den mantel. trotz des trüben kerzenlichtes wurde es eine ausgezeichnete arbeit, und als ich den schneider bei sonnenaufgang verließ, steckte er mir noch eine botschaft an katz zu. abends in nürnberg führte mich der erste weg zu meinem treuen waffenbruder, doch ich war zu spät, katz war des nachts verstorben. so hatte auch das kaddisch auf meinen ärmeln einen sinn bekommen.

warum es zwischen heinrich heine und mir gerade nicht so super läuft

in meiner mutter küche. sie serviert mir einen yogitee mit viel milch, ich weine. wir führen folgenden dialog:

mami: »jetzt sag doch mal, was ist denn los?«
ich: »mami, ich ertrage diese beziehung nicht mehr!«
mami: »aber warum denn nicht?«
ich: »er verspottet mich in seinen versen!«
sie: »na dann sag ihm doch, dass dich das trifft.«
ich: »aber er verspottet doch auch sich selbst!«

wie ich lederers vasarely verschenkte

1999 verstarb in erlangen der künstler helmut lederer. durch einen zufall wurde mir die ehre zuteil, an einer führung durch sein haus teilzunehmen. dort gelangte eine sehr hübsche flasche champagner (1978er jahrgang) in meinen besitz (»nehmen Sie das ruhig mit, die wird sonst nur weggeworfen«). die glasflasche war mit einem taubenblauen plastikmäntelchen versehen, auf dem es ein bildchen zu bestaunen gab, das fast nach einem vasarely aussah. die verpackung gefiel mir so gut, dass ich den champagner wochenlang auf meinem schrank herumstehen ließ.
einige Zeit später wurde ich auf eine WG-einweihungsparty nach bochum eingeladen. rolf wünschte sich von mir als antrittsgeschenk eine waschmaschine, was ich mir aber nicht leisten konnte. stattdessen brachte ich ihm den taittinger mit.
viele wochen später stöberte ich gelangweilt im internet herum und fand dort eine seite, auf der der wert des champagners ungefähr mit dem gegenwert einer waschmaschine beziffert wurde. und natürlich war das bildchen wirklich von vasarely. hab sofort den rolf angerufen, um ihm zum abschied vom waschsalon zu gratulieren. blöd nur, dass er den champagner inzwischen zum katerfrühstück getrunken hatte.