bürgerliche existenz #2

beitrag über »mozartperformance« u.ä. auf arte, dem sender für kultivierte. menschen in müllsäcken (gefertigt aus schwarzplastik, vermutlich ausführung extra stark) gehen umher, nackte personen würgen und versuchen sich an kotzgesten, bei denen keine sekrete fließen (der zwiebeltrick funktioniert da ja leider nicht), zahlreiche individuen besudeln sich und einander mit fleischwaren. fühle mich ungeheuer provoziert. was das den steuerzahler wieder kostet.

(blödsinn. in wahrheit denke ich mir: jedem tierchen sein pläsierchen, jedem kirchenschiff sein kunstbegriff. denn das bürgertum ist ganz tolerant.)

genitivhäufung

genitive in der trivialliteratur! insbesondere im genre der zeitreiseromanzen, welches sich großer beliebtheit erfreut. eine tatsache, die mir allzu verständlich erscheint, denn schließlich wollen alle frauen mal mit einem achthundert jahre alten schotten ins bett. wirklich alle. ausnahmslos.*
es gibt keine andere erklärung für titel wie diese:
der ring des highlanders, der traum des highlanders, in dem armen des highlanders, das vermächtnis des highlanders, die liebe des highlanders, mit der liebe eines highlanders, das geheimnis des highlanders, die ehre des highlanders, die list des highlanders, das herz des highlanders, das herz eines highlanders, im bann des highlanders, im zauber des highlanders, der zorn des highlanders, der schatz des highlanders, die verlockung des highlanders, das erbe des highlanders, die braut des highlanders, die treue des highlanders, die rache des highlanders, die maske des highlanders, der kuss des highlanders, der geist des highlanders, die rückkehr des highlanders, die heimkehr des highlanders, unter dem schutz des highlanders, das schwert des highlanders, das schicksal des highlanders, die geliebte des highlanders, die tochter des highlanders, die sehnsucht des highlanders, die spur des highlanders, die gefangene des highlanders, der fürst des highlanders und die schwester des highlanders.
bisher dachte ich ja, es könne nur einen geben, aber dem ist offensichtlich nicht so. berücksichtigt man daneben noch herren, die beschrieben werden als
der schwarze highlander, der unsterbliche highlander, der dunkle highlander, highlander meines herzens (welch gefinkelter genitiv!), mein ungezähmter highlander, der widerspenstige highlander, der geheimnisvolle highlander, geliebter highlander, ein highlander auf samtpfoten (es gibt wohl nichts, aus dem man kein katzenbuch machen kann), der stolze highlander,
so wird man feststellen, dass es mindestens fünfundvierzig geben muss. fünfundvierzig mehrhundertjährige schotten, zu denen man sagen kann:
küss mich, highlander,
und nach deren kuss man eventuell dann diesen rat erteilt:
küss niemals einen highlander.
übrigens habe ich keine derartigen bücher über lowlander entdeckt, ebenso keine texte zur alphabetisierungskritik.

* unbequeme wahrheiten müssen niedergeschrieben werden. dafür werde ich mich nicht entschuldigen. außer vielleicht bei meiner mutter.

wotans wut

ich wurde vor ein paar tagen auf dem alljährlichen weihnachtsklassentreffen nicht nur mit den lebensgestaltungsplänen der leute aus meinem abijahrgang (da sind ziemlich tolle sachen dabei, zum beispiel kuhkrankheiten erforschen und energie aus müll machen) und lustigen geschichten von früher, sondern auch mit der verstörendsten toilettenwerbung seit langem konfrontiert.


[vielen dank an christian s., der mich als erster darauf hinwies.]

brautschau

erhoffte mir dramatische verbesserung meiner flirtstrategie durch virtuelle helferlein .
musste aber zunächst demotivierendes erfahren: »Ach ja, es gibt natürlich noch einen anderen Grund, aus dem sie Ihnen ihre Telefonnummer nicht geben will: Sie hat, so ungern Sie das hören mögen, kein Interesse an Ihnen…«
glücklicherweise auch strategien zur vermeidung des unvermeidlichen (»Wollen Sie mich wirklich einfach so abblitzen lassen?«) und allerlei nützlichen tand (»Falls Sie beide verheiratet sind, oder mit anderen Partnern zusammenleben, werden Sie wohl auch im Hotel landen.«), (»Läuft sie einfach so herum, stürzen Sie am besten auf sie zu, umarmen sie und sagen dann: ›Ich konnte nicht anders.‹«), (»in Punk- und Rockerdiskotheken können Sie lässig eine Zigarette aus dem linken oder rechten Mundwinkel hängen lassen und: ›Na, was ist mit uns!‹ (oder ähnlich) zischen«).

mein lieblingsrat allerdings stammt von einer anderen seite: Beantworten Sie ein Frage mit ja – nicken Sie. Lächeln Sie bei etwas lustigem. Ernstes Thema: Schauen Sie ernst.

(wer darauf nicht von selbst kommt, der sollte sich einer frau lieber nicht zumuten, finde ich)

das beste aber an diesen seiten ist es, dass sie sich ohnehin nicht an mich richten, denn ich bin kein mann, muss folglich nicht fremde menschen zwecks kennenlernen auf der straße anfallen.