die charakterbraue

»das ist meine charakterbraue«, brüllte david. »meine eine augenbraue geht nach oben, die andere nach unten! einmal hab ich einen typen getroffen, mit dem ich sogar mehrmals geschlafen habe, und der hatte das auch nie bemerkt.« – »oh david«, sagte ich auf der anderen seite des hörers, »erzählst du das eigentlich gerade auf offener straße?

zahl3n und figur3n

pflanzen, mineralien und überhaupt alle stoffe bestehen aus einzelnen teilchen. diese teilchen bauen die dinge, die wir mit unseren augen wahrnehmen, auf wie kristalle, die dinge haben ergo unterschiedliche formen. dies ist durch demokrit bekannt. es gibt günstige und ungünstige kristallformen, deren seitenverhältnisse usw. sich unterscheiden. ungünstige formen weisen bestimmte geometrische figuren auf, deren zahlenverhältnisse dazu führen, dass gewisse andockstellen der teilchen unteinander nicht besetzt werden können. so werden die dinge porös und zerbrechlich. doch sind die teilchen dicht verbunden, so werden die dinge hart. könnten die winzigen teilchen nun gezwungen werden, sich in anderen formen zu ordnen, wäre es möglich, die dinge zu verwandeln. dies kann, wie wir wissen, durch feuer geschehen, so wird ein stück holz zu asche. folglich haben auch die sternenkräfte macht, die dinge zu verändern, den sterne sind wie ferne feuer. doch um sie zu nutzen, müssen ihre positionen bestimmt werden, muss berechnet werden, wie ihre kräfte untereinander sich beeinflussen. mit dem uns bekannten kalender scheint dies nicht möglich. welches also ist der wahre beginn der zeit?

berufsperspektiven als geisteswissenschaftler

einer meiner kino-arbeitskollegen (mag keine menschen, isst ständig äpfel) hat jetzt endlich ein berufliches ziel gefunden (davon weiß ich, weil ich ihm während unserer gemeinsamen schichten gerne mal gespräche aufdränge). er möchte gerne ein ziereremit werden. ich glaube, er hat in dem bereich ganz gute chancen. als filmvorführer ist er an ein leben in dunklen höhlen (bzw. schlecht klimatisierten projektionsräumen) bestens gewöhnt.

schulmädchenreport

heute morgen habe ich einen anruf von meinem besten freund erhalten, der über seine magisterarbeit zu sprechen wünschte. einzig das fehlen eines spezifischen themas hält ihn noch vom schreiben ab. das ist zumindest, was er behauptet. ich hingegen behaupte, er hat seine arbeitseinstellung direkt vom englischen landadel typ »stolz und vorurteil« übernommen (eine seiner lieblingsbeschäftigungen ist es zum beispiel, auf die post zu warten, was er damit rechtfertigt, dass hunde das auch gerne täten). ein wunderbares beispiel dafür, wie sich selbst- und außenwahrnehmung unterscheiden können. fest steht aber, dass er »irgendwas über gleichstellung« schreiben möchte. weil es gerade zum thema passt und um ihn etwas aufzuheitern, erzähle ich meinem freund von der löblichen bewegung für unisextoiletten an amerikanischen universitäten. »hm«, sagt er da, »uni-sex-toiletten? da habe ich jetzt andere assoziationen«, und ich muss, obzwar albern, ein wenig kichern.

kurz notiert

hier eine kleine zusammenfassung der letzten ereignisse.

sonntag: esse bei meiner oma gefüllte paprikaschoten und erfriere fast beim sonntäglichen friedhofsbesuch, weil ich keine jacke mitgenommen habe. vernachlässige danach im zuge meiner häuslichen studien den zeitplan zugunsten des racheplans.

montag: im kino ruft eine frau an, die nur mal fragen wollte, was das ist, dieses kino. etwa ein ganz normales kino? damit übertrifft sie die frau, die in der vorherigen woche telefonisch vorstellungen für hundebesitzer angeregt hat. kommt aber nicht ganz an den mann heran, der sich vor zwei jahren persönlich erkundigt hat, ob wir in einem unserer säle einen geheimen zugang zum »hotel da hinten« haben.

dienstag: obwohl die uni offiziell ab 12 uhr geschlossen ist, treffen wir uns heimlich zum hermeneutik-seminar (in den folgenden tagen gehe ich allen mit gadamer auf den sack). danach im aufzug werde ich durch einen eiszeit-flyer verwirrt und in eine peinliche situation gebracht (dazu vielleicht bei gelegenheit mehr). tobias denkt darüber nach, ob er sich den rücken enthaaren lassen soll, ich rate davon ab.

mittwoch: nach stundenlanger adorno-lektüre (vgl. zeitplan) besuche ich einen vortrag über technikethik, dessen quintessenz ungefähr lautet, dass kompromisse eine schreckliche sache sind. tarek bespöttelt meinen kronleuchteraugenaufschlag, und ich frage mich, ob ich ihn jemals bei künstlichem licht in braunen schuhen sehen werde.

donnerstag: obwohl yvonne regelmäßig an wahrnehmungsexperimenten teilnimmt, ist unsere wahrnehmung eingeschränkt, als wir die verhandlungsstudie suchen, an der wir teilnehmen wollten. wir meistern eine einschüchternde treppe, die ebenso außergewöhnlich steil wie außergewöhnlich schief ist. ich trage ihr bei einem kakao in der cafete auf, einem lästigen verehrer einzureden, ich ließe mich zum ninjakrieger ausbilden.

aus dem nähkästchen

beziehungsweise aus dem geheimforum der liturgiefarbenkritikerszene, das keineswegs ein nähkästchen ist, denn es heißt ja »liturgiefarbenkritikerszene« und nicht »liturgiefarbenkritikerszene und stolanähkreis«, wobei denjenigen, die die liturgiefarbenkritikerszene nun als destruktive nörgler herabsetzen wollen, gesagt sein soll, dass hegel angeblich mal irgendwo geschrieben hat, er müsse kein schuster sein, um herauszufinden, ob ihm ein schuh passe.
aber nun soll endlich frisch herausgeplaudert werden, was sich aktuell in der liturgiefarbenkritikerszene zuträgt.

ich so zum thema grün:
»spätestens seit den fünfzigern nicht mehr tragbar (vgl. lodenmäntel).«

fünf monate später, d. so zum selben thema:
»Tja, aber das erklär den »feinen Herrschaften« mal. Da redest Du gegen eine Wand.«

famose fama

hatte gestern das vergnügen, eine nette geschichte über den c. zu erfahren (c. ist ein bekannter, mit dem ich vor ungefähr acht jahren mal eine für alle beteiligten recht peinliche episode erlebte, in der unter anderem ein polizeiauto und meine mutter im schlafanzug tragende rollen spielten). c. lebt inzwischen in köln, verfügt sich aber alle heiligen zeiten mal auf einen heimaturlaub in die fränkische provinz.

so geschah es auch vor einigen tagen, diesmal gemeinsam mit dem neuen derzeit festen freund, der den c.schen eltern präsentiert werden sollten. diese erkundigten sich also, wie der c. ihn denn kennengelernt hätte. hm, meine reizenden polnischen eltern sind ja zuweilen recht konservativ eingestellt, dachte sich der c. dann wohl so, vielleicht reagieren sie etwas verstört, wenn ich ihnen erkläre, was gayromeo ist, warum ich da einen account habe und warum ich mich mit anderen leuten, die da auch einen account haben, an dubiosen orten treffe. also präsentiere ich ihnen lieber ein alternatives kennenlernszenario. und dann, so will es die legende, beantwortete der c. die frage seiner eltern wie folgt: »ach, das war wirklich sehr romantisch. ich stand da also an dieser straßenecke, schlank und biegsam wie ein eichensprössling, fidel wie ein junger hirsch, wild und potent wie ein stier, der gerade in einer engen gasse einen köstlichen touristen aufgespießt hat…« – »ja ja«, entgegnete des c.s mutter, »schon gut, lieber junge, jetzt komm doch bitte zum punkt.« – »na gut«, sagte der c., »ich stand also so rum. biegsam, fidel, was du willst, du kennst mich ja, liebste mama. und dann öffnete sich da oben an einem haus ein fenster, aus dem mir jemand zurief: heda! du bist ja absolut heiß! wieviel nimmst du?«

leider ist nicht überliefert, wie des c.s mutter auf die erklärung reagierte.

die mörder sind unter uns

letzte nacht so kurz vor halb drei. mein bekannter und ich stehen in einer tankstelle, die nach zwanzig uhr alkohol nur noch an reisepublikum abgibt, das heißt: an personen, die mit dem auto vorfahren. nach einer anstrengenden lesung über eine familie, in der alle nasenbluten, super-8-kameras und freunde mit bindehautentzündung haben, gelüstet es uns nach eiscreme. und zwar soll es ein magnum sein. wir wählen unser eis aus, als wäre es die kleidung für unseren abschlussball, mein bekannter nämlich eins mit dunkler schokolade, ich ein weißes. wir scherzen darüber und gehen zur kasse. romantische geigenmusik setzt ein. das freundliche verkaufspersonal scannt elegant das magnum meines begleiters. oh, sagt mein bekannter, und eine schachtel chesterfield bitte. ich gucke irritiert, wir zahlen.
gleich danach dann draußen. seit wann er chesterfield rauche? ach, erklärt er, das sei ja eigentlich eine typische mördermarke. man denke nur an death proof. während ich herauszufinden versuche, ob wir jetzt wirklich, immerhin ist es mitten in der nacht, gemeinsam in meine wohnung gehen sollten, schaltet irgendjemand die romantische geigenmusik einfach ab.

daylight, i’m so absent-minded

leider derzeit überaus beschäftigt. in kürze hier zu lesen: die zitate aus the wall, mit denen ich meine mutter am liebsten begrüße. mein standpunkt zum kurtschatowium und zu den transuranen.
ansonsten erwähnenswert: t. hält sich nicht mehr für joan collins. will jetzt heftchenromanautor werden. d. immer noch in tel aviv. er hat sich den rücken enthaaren lassen. ich höchstselbst las aus langeweile im zug titan (jean paul), death kit (susan sontag), lunar park (bret easton ellis), a spot of bother (mark haddon), die titanic, die konkret und diverse adelsschicksalsromane (zu studienzwecken). of montreal haben ein neues album. es ist recht ordentlich.

country leaver #2

nach einem gespräch über den gewitzten plan, in england mit amerikanischen mentholzigaretten so richtig dicke geld zu verdienen und nachdem jeremy endlich fast seinen flug nach newcastle verpasst hatte, konnte ich mich wieder meinen alltagssorgen widmen (deo verschwunden, auf dem flughafen verlaufen, die absicht der fluggesellschaft, mich mit ständigen gateänderungen in den wahnsinn zu treiben). aber immerhin, zwischen mir und dem ostersonntagsessen bei meiner oma lagen nur noch wenige hundert kilometer luftlinie und eine kurze, aber enervierende flugzeit, die ich mit noch mehr alkohol und diversen panikanfällen (wilde turbulenzen, geruch der anderen menschen, deren deo offensichtlich auch verschwunden war, truhe mit wertvollem microwave popcorn für verloren gehalten, da halbe stunde am falschen rundlaufband gewartet) dann doch gut zu überbrücken wusste.
einige wochen später erreichte mich die frohe botschaft: jeremy begab sich mit seinen eltern auf eine europareise durch frankreich, die schweiz und deutschland und wollte die gelegenheit nutzen, um für ein paar tage bei mir abzusteigen. und bis es so weit war, beschäftigte er mich mit seinen reisevorbereitungen, was ich dazu nutzte, mit ein paar seiner vorstellungen über junge europäer im allgemeinen und mich im speziellen aufzuräumen (yes, switzerland and france border germany; no, i don’t go there all the time) und großartige ratschläge bezüglich sightseeings an den mann zu bringen (der dichter und denker nummer eins möge es mir verzeihen, ich empfahl heidelberg anstelle von frankfurt. er kann sich aber wieder beruhigen, frankfurt bekam aufgrund seines internationalen flughafens, von dem aus man super nach chicago fliegen kann, den zuschlag). glücklicherweise hatte ich der fußball-wm zu ehren sowieso fast keine seminare belegt und daher für diesen ganzen quatsch zeit.
irgendwann im juli dann der große tag, ich holte jeremy vom bahnhof ab (vorher erreichte mich ein hysterischer anruf: my ticket says Gleis eight! what the hell does Gleis mean?!). übrigens, der aufmerksame leser wird es vermutet haben, auf gleis acht. wir dann erstmal in meine wohnung, gepäck abstellen, danach in den park, wein trinken. am nächsten tag große besichtigungstour (z.b. das geburtshaus von henry kissinger morgens um acht. heute befindet sich darin ein tätowier- und fetischladen. außerdem: weihnachtskitsch bei käthe wohlfahrt, ein shoppingexzess bei h&m usw. deutsche kultur eben). danach ergab sich ein kleines problem. jeremy wollte den ganzen tag bier trinken und die unterschiede zwischen angelsächsischen und deutschen schwulenpornos diskutieren, ich aber hatte es mir bereits in meiner jugend zur lebensaufgabe gemacht, jährlich das waldfest des bund naturschutz im schmausenbuck zu besuchen, um dort colagetränke aus ökologischem anbau zu verkosten. und das waldfest war nun mal gerade jetzt. jetzt! jeremy hatte auf waldfest ungefähr so viel lust wie auf ein kaffeekränzchen mit der heilsarmee, ließ sich aber durch die aussicht auf deutsches bier aus ökologischem anbau locken. außerdem gab ich das waldfest als »really awesome forest festival with interesting bands and all that kinda stuff« aus, um der sache einen coolen anstrich zu verpassen. ein weiterer teil des deals war meine zustimmung zu einem abendlichen treffen mit seiner myspacebekanntschaft aus der region.
das waldfest verlief erwartungsgemäß größtenteils ätzend. die dort auftretenden blaskapellen und coverbands waren zwar eindeutig interesting, aber nicht im geringsten awesome. das einzige, was jeremy bewunderung abrung, war ein festredner, der über den deutschen mischwald sprach und seine worte ebenso umnachtet intonierte wie hitler.
also wieder nach hause, um vorbereitungen für die verabredung am abend zu treffen (stundenlang telefonieren, stundenlang umziehen). auf dem weg zum treffpunkt bekam jeremy in der straßenbahn einen nervenzusammenbruch, ich konnte ihn aber beruhigen, indem ich ihm meinen spezialtrick verriet, mit dem man prima aufdringliche leute los wird (in einem vertraulichen moment ganz nahe an den anderen heranschmiegen, dann ein tiefer blick in die augen und der satz: »sag mal, hattest du eigentlich mal eine zahnspange?«).
punkt neunzehn uhr standen wir vor der lorenzkirche. die verabredung lief auf uns zu und fragte: »so, what have you done today?« – »oh, we have been to a really awesome forest festival«, sagte ich. »forest festival?« wiederholte david, welcher nämlich die verabredung war, fragend. »oh yeah«, sagte jeremy, »it’s kind of cool. they worship trees.«

elvis lebt

t.s gitarrenlehrer verhält sich verdächtig. wir haben schon 10 beweise dafür, dass h. p.-m. elvis sein muss:

  • indiz 1: der spitzname von herrn p.-m. ist lui. loui hießen französische könige und elvis war bekanntlich der king.
  • indiz 2: herr p.-m. verkauft schallplatten für 1000 euro, reagiert aber ausweichend, wenn man ihn nach seinen früheren bands fragt. wer sonst außer elvis könnte so teuer schallplatten verkaufen, würde aber als anscheinend heruntergekommener gitarrenlehrer arbeiten und seine vergangenheit geheimhalten?
  • indiz 3: herr p.-m. singt deutsch und elvis war in deutschland als soldat stationiert und hat auch auf deutsch gesungen.
  • indiz 4: herr p.-m. spielt gerne blues und bezeichnet sich als altrocker. auch elvis spielte gerne blues und ist ein altrocker.
  • indiz 5: der name h. p.-m. hat genausoviele buchstaben wie elvis aaron presley, wenn man den bindestrich als buchstaben wertet. außerdem sind in dem namen mindestens zwei vornamen enthalten. auch elvis hatte zwei vornamen.
  • indiz 6: herr p.-m. gibt an, bei seiner blinden mutter zu wohnen. elvis wohnte in graceland. in dem lied »amazing grace«, das elvis auch sang, heißt es »… I once was blind…«.
  • indiz 7: herr p.-m. benimmt sich ganz anders als elvis presley, und würde elvis heute noch leben, würde er sich, um sich besser zu verstecken, auch ganz anders benehmen.
  • indiz 8: elvis presley wäre heute 70 jahre alt, also ein älterer herr. herr p.-m. hat schwierigkeiten sich zu bücken, was auf altersschwäche hindeutet. wenn man dazu den fakt nimmt, dass er bereits graue haare hat, ist klar, dass er bereits 70 sein könnte.
  • indiz 9: herr p.-m. gab an, kein countryfritze zu sein, und auch elvis war kein countryfritze.
  • indiz 10: hört man sich elvis‹ lachen in dem lied »are you lonesome tonight« an, so merkt man, dass das lachen von herrn p.-m. ganz anders klingt. auch elvis würde versuchen, ganz anders zu lachen, da er wüsste, dass man ihn daran erkennen würde. überhaupt lacht herr p.-m. sehr gerne; und bedenkt man, dass elvis sogar während einer aufnahme gelacht hat, kann man daraus schließen, dass auch elvis gerne lachte.
  • am telefon

    gerade habe ich mit t. telefoniert, der während des gesprächs unter anderem dieses sagte:

    du, ich hab nochmal darüber nachgedacht, was du gestern über das A und das »ist« gesagt hast. also das »ist« impliziert subjektive visualität und desto mehr wir unreflektiert automatisieren, das bedeutet abstrahieren, desto mehr entfremden wir unser denken. daraus resultiert, was ist, kann nicht anders sein, als es ist. die objektivierung des subjektiven führt zu subjektivierung des objektiven. allerdings muss man extrem aufpassen, dass man nicht wie hegel…

    stadtfeste

    sonntag abend waren der t. und ich auf einem; und während er mir abwechselnd über das gefährliche künstliche gemeinschaftsgefühl dozierte, das die dort gespielte pseudorockige blasmusik erzeugt, und »die hände zum himmel« mitgröhlte, tanzte tatsächlich ein kind im stechschritt an uns vorbei.

    wie ich lederers vasarely verschenkte

    1999 verstarb in erlangen der künstler helmut lederer. durch einen zufall wurde mir die ehre zuteil, an einer führung durch sein haus teilzunehmen. dort gelangte eine sehr hübsche flasche champagner (1978er jahrgang) in meinen besitz (»nehmen Sie das ruhig mit, die wird sonst nur weggeworfen«). die glasflasche war mit einem taubenblauen plastikmäntelchen versehen, auf dem es ein bildchen zu bestaunen gab, das fast nach einem vasarely aussah. die verpackung gefiel mir so gut, dass ich den champagner wochenlang auf meinem schrank herumstehen ließ.
    einige Zeit später wurde ich auf eine WG-einweihungsparty nach bochum eingeladen. rolf wünschte sich von mir als antrittsgeschenk eine waschmaschine, was ich mir aber nicht leisten konnte. stattdessen brachte ich ihm den taittinger mit.
    viele wochen später stöberte ich gelangweilt im internet herum und fand dort eine seite, auf der der wert des champagners ungefähr mit dem gegenwert einer waschmaschine beziffert wurde. und natürlich war das bildchen wirklich von vasarely. hab sofort den rolf angerufen, um ihm zum abschied vom waschsalon zu gratulieren. blöd nur, dass er den champagner inzwischen zum katerfrühstück getrunken hatte.

    drei-elemente-lehre

    vor ein paar tagen war ich mit meiner tante und einer ihrer freundinnen im haus der steine, einem geschäft für heilsteine und anderen esoterikerbedarf. integriert in den verkaufsraum ist ein kleines cafe. ein aushang an der wand informiert dort über diverse steine, die beim abnehmen hilfreich sein sollen. unter anderem ist das der apatit, der zu wortspielen wie »apatit, nicht appetit« herausfordert. manche dieser steine erzielen die größten erfolge, wenn man sie in sein trinkwasser legt, andere aber muss man direkt am körper tragen. am besten in einer halskette (natürlich erhältlich im haus der steine für 30 euro). da die freundin meiner tante noch leise zweifel hegt, nimmt uns der inhaber mit auf einen phantastischen ausflug durch den gemüsegarten der esoterischen lehre. an einem salatkopf reisen wir ab: was braucht ein salat zum wachsen? – richtig, sonne, wasser und mineralien. das sind auch die drei urelemente, etwas anderes gibt es nicht. alle organischen verbindungen bestehen aus sonne, wasser und mineralien. auch tiere und menschen, denn die ernähren sich ja von pflanzen, die sich ernähren von sonne, wasser und mineralien! wir bestehen also aus steinen und essen steine. der nächste schritt führt uns vom gemüsegarten ins gartenhäuschen: dieses gartenhäuschen wurde im lauf der jahre immer wieder umgebaut. dadurch aber haben sich fehler eingeschlichen, so wurde zum beispiel die dachrinne entfernt. es fällt zwar auf, dass etwas nicht stimmt, aber niemand erkennt, wo der fehler liegt. um das herauszufinden bräuchte man den urbauplan, auf dem verzeichnet ist, wie das häuschen ursprünglich aussah. und genauso ist das mit dem menschlichen körper. wir haben den urbauplan verloren, der unserem organismus seine abläufe erklärt. also müssen wir ihn wiederfinden. und wo sonst sollten wir, die wir doch aus stein bestehen, diesen urbauplan finden, wenn nicht in einem stein?