zu gast an deutschen tischen

erlangen, ein akademisches viertel nach zwei, hermeneutik-seminar. der referent hat abgesagt, nach den weihnachtsferien ist niemand besonders gut auf den zu besprechenden text¹ vorbereitet. auf anregung einer kommilitonin simulieren wir ein wenig praktische arbeit und gucken uns nochmal einen schon vor einigen wochen besprochenen text² an und spielen einen interpretationsprozess durch, in dem wir den latenten sinn einer interaktionssequenz (es handelt sich dabei um ein tischgespräch einer familie, daran beteiligt sind auch zwei beobachter) rekonstruieren wollen. wir diskutieren mögliche fragestellungen (ein vorschlag hierzu ist, ob sich familien am tisch anders verhalten, wenn gäste anwesend sind. der dozent gibt eine anleitung, wie man das in soziologensprache umformulieren kann: »gastlichkeitsrituale in familiärer interaktion«), betrachten dann die erste vorliegende zeile des protokolls. diese lautet:

47 K[6] 7: danke ebenfalls, ’n guten appetit
(affektiert, nachahmend)

jetzt entwickeln wir reihum verschiedene interpretationen. wir erkennen, dass dieser aussage vermutlich eine andere vorausgegangen ist, welche wir aber nicht kennen. der erste vorschlag interpretiert die zeile als äußerung einer multiplen persönlichkeit, die mit sich selbst (bzw mit eines teils ihrer selbst) spricht. weitere vorschläge: es handelt sich um einen sehr einsamen menschen, der sich selbst einen guten appetit wünscht, um gesellschaft zu simulieren; jemandem wurde in der u-bahn aufs bein gekotzt³, der betreffende ironisiert die situation; es handelt sich um ein tischgespräch, bei dem ein teilnehmer ein höflichkeitsritual in ironisch gebrochener weise zitiert; das essen schmeckt nicht, die person tut durch den affektierten tonfall ihr missfallen kund; es handelt sich um eine theaterprobe; die sprecherin ist nach sieben jahren aus einem mädchenpensionat nach hause zurückgekehrt und spöttelt über die dortigen konversationsregeln; die äußerung ist ein filmzitat oder insider-scherz; jemand erzählte vorher am tisch von einem als eklig empfundenen artikel über kannibalismus; der sprecher ist als gast bei außerirdischen, die zwar deutsch sprechen, aber kamelhaare mit erdnuss-soße servieren; die person ironisiert das tischritual, weil sie sich in einem hungerstreik befindet usw.
nach dieser interpretationssammlung betrachten wir die zweite vorliegende zeile:

48 M 16: mehm

wir erkennen: es gibt mindestens einen interaktionspartner, damit sind die interpretationen »multipel« und »einsam« ausgeschlossen. nach kurzen exkursen zu den themen »rechtschreibfehler« und »ziege am tisch« und einbeziehung unseres vorwissens über den kontext, was »theaterprobe«, »u-bahn« und »außerirdische« ausschließt, machen wir weiter in der interpretation. die vorschläge lauten im einzelnen: unwirsche äußerung der mutter, die längst resigniert hat; mutter ist in gedanken und hat nicht zugehört; mutter kann nach unfall nicht mehr sprechen; es handelt sich um eine neuartige erziehungsmethode; mutter wollte eigentlich etwas anderes sagen (nämlich »mehr hast du wohl nicht zu sagen, du rotzblag«), bricht diese äußerung ab und repariert sie zu »mhm« (hinweis auf gespaltene motivlage). in der dritten zeile dann der vater:

49 V 10: Mampf, mampf

[und ab da lag ich dann mitsamt der hälfte des seminars lachend unterm tisch.]

¹ keller, reiner (2003): der müll der gesellschaft. eine wissenssoziologische diskursanalyse, in: ders., e.a. (hg.), handbuch sozialwissenschaftliche diskursanalyse, band 2, forschungspraxis, opladen: leske und budrich, s. 197-233.
² oevermann, ulrich, tilman allert, elisabeth kronau, jürgen krambeck (1979): die methodologie einer »objektiven hermeneutik« und ihre allgemeine forschungslogische bedeutung in den sozialwissenschaften, in: hans georg soeffner (hg.), interpretative verfahren in den sozial- und textwissenschaften, stuttgart: metzler, s. 352-434.
³ vorschlag des dozenten

eigentlich schrieb gadamer lebensberatungsbücher

in einer stunde über gadamers »wahrheit und methode« sprachen wir heute nicht nur über den memorial-charakter des reformiert-lutheranischen abendmahls, sondern auch über urlaubsziele (an deutschen universitäten lernt man allen unkenrufen zum trotze in der tat etwas praktisches fürs leben, nämlich dieses: wenn der eine in die berge fahren will, der andere aber ans meer, sollte man sich unbedingt darüber verständigen, was genau man unter berge und meer versteht, denn vielleicht wollen beide partner die lofoten bereisen und unterliegen lediglich einem verständnisproblem, das durch intensive gadamer-lektüre ausgeräumt werden kann. und tatsächlich lösten sich, nachdem dieser umstand erschöpfend geklärt war, alle beziehungsprobleme aller anwesenden in luft auf, ich konnte sie regelrecht verpuffen hören. oder vielleicht war das auch das stöhnen meiner banknachbarn, weil wir für nächste woche schon wieder so irre viel lesen müssen).
bei partnerschaftskrisen jeglicher art also einfach mal knapp tausend seiten gadamer lesen, dann erledigt sich alles von selbst. wenn man glück hat, erledigt sich sogar die gesamte beziehung aufgrund von akutem zeitmangel [an dieser stelle eine kleine linguistische serviceleistung: aufgrund mit genitiv, aufgrund von mit dativ].

bachmann-special

heute morgen gegen acht anstrengende odyssee durch münchen unternommen. zweck: meinem zauberhaften gastgeber halstabletten versorgen, darüberhinaus einkauf von dreihundert taschentüchern, salbeitee und orangensaft. außerdem achtundzwanzig pfandflaschen zurückgebracht, um hier etwas mehr raum zu gewinnen. unterbreche meine aufzeichnungen, um bettlägerigem gastgeber erkältungstee zuzubereiten. nun aber wieder äußerst konzentriert an seinem imac, an dessen tastatur ich mich schon fast gewöhnt habe, denn einige beobachtungen, die wir während des ingeborg-bachmann-vorlesewettbewerbs gemacht haben, drängen danach, berichtet zu werden.

1. der schweizer semiotiker mit den großen ohren empfiehlt zum besseren textverständnis ein buch namens »hölderlin als hirnforscher«, welches er offensichtlich äußerst hip findet. überlege mir, selbst ernsthaft schriftstellerisch tätig zu werden. arbeitstitel meines hauptwerks: »brentano als astrophysiker«. werde ihn später eventuell ändern in »eichendorff als stahlarbeiter«.
anleitung zum basteln eines buchtitels: [beliebiger deutscher romantiker] als [beliebiger, möglichst abseitiger beruf]

2. sehr interessant der hemdenwechsel der juroren. während herr seltsamer vorname a punkt mangold tagelang in einem rosafarbenen, zur hälfte aufgeknöpften hemd erschien, wechselte frau strigl »konsequent« zwischen hemdchen in welkem grün, krankenhausgelb und mausbraun-mausgrau-kariert. meinen zauberhaften gastgeber erinnert sie ein wenig an herta däubler-gmelin. herr google corino, musilexperte, reichte das weiße hemd, in welches er sich am donnerstag hüllte, vermutlich weiter an herrn ebel. dieser schläft offensichtlich in seinen hemden. verdächtigen herrn ebel, sich heute morgen im schrank geirrt zu haben und ein jackerl von herrn nüchtern erwischt zu haben, welcher bisher auf sich aufmerksam machte durch eine gymnasiastenhaft gestreifte sportjacke und ein hawaiihemd, das einerseits zusammen mit dem an die wand geklatschten flickenteppich von ikea eine kombination bildet, die disharmonischer erscheint als ein stück von schönberg, andererseits aber, und dazu gehört ja einiges, fast so exaltiert wirkt wie die gesten von frau radisch. diese zieht sich mit jedem tag besser an. hat sich eventuell was von frau rakusa ausgeliehen. frau märzens liebster rotton ist zwar relativ geschmacklos, dafür aber »konsequent« von lippenstift über bluse bis hin zum nagellack durchgehalten. traut sich wohl nicht an fremde schränke.

3. die texte.
erster tag. dank bernd stehen uns ausführliche videoaufzeichnungen zur verfügung.
erstens: jagoda marinic. schreibt über regale, regale, regale und regale mit büchern. findet plots doof, mag aber buslinie einhundertsiebenundvierzig. semiotiker will mit ihr »kaffee trinken«. rest findet text eher unspektakulär. diskussion über nörgelprosa und berlin. frau märz versteht nicht, warum man regen im kaffee nicht schön findet. kaffee war ja ohnehin zu stark. vorgeschlagen von herrn ebel. findet den text »konsequent«.
zweitens: christian bernhardt. schreibt ermüdend detailliert über den kauf von haarshampoo und begegnungen mit terroristen. rutscht nervös auf seinem stuhl herum. endlich so etwas ähnliches wie ein plot. zauberhafter gastgeber bezeichnet ihn als ein wenig attraktiv (gastgeber ist allerdings, wie schon erwähnt, erkrankt). vorgeschlagen von herrn nüchtern.
drittens: jochen schmidt. der kosmonautentext. guter, stimmiger text mit plot und intelligentem ost-west-konflikt. lustig. unser favorit. herr corino fühlt sich, einigermaßen zu recht, an eine novelle erinnert (unerhörte begebenheit. wir werden das später nochmal hören). bis auf ebel allgemeine anerkennung mit kleinen nörgeleien. sieht ein bisschen aus wie der tanzlehrer aus meinem tschechischkurs. vorgeschlagen von frau märz.
viertens: andrea grill. vorgeschlagen von strigl. belangloser dialogischer text, den man sofort vergisst. corino findet ihn völlig uninteressant. möchte mit der autorin lieber über eichhörnchen reden. recht hat er. endlich pause.

fünftens: jörg albrecht. schriller slamtext. trotz deleuze und guattari eher langweilig. liest von riesigen blättern und wirft sie herum. überzieht die dreißig minuten lesezeit. schweizer semiotiker würde den text gerne langsamer hören. vorgeschlagen von frau rakusa. klick.
sechstens: fridolin schley. sieht ganz gut aus. text langweilig, spulen das videoband vor. jury mäßig begeistert. vorgeschlagen von mangold.
siebtens: lutz seiler. angeblich hochinteressanter text über zugfahren und kulturellen austausch. leider ist es uns unmöglich, auch nur einem satz konzentriert zu lauschen. mögliche ursache: unser abendgast frau f. oder vortragsweise des autors. jury ist hin und weg. vorgeschlagen von rakusa.
erster tag vorbei. warten angetrunken auf den nächsten morgen.

zweiter tag. verbringen den tag in der stadt und greifen wieder auf videogott bernd zurück.
moderatorin inzwischen in ordentlichem fummel. trug gestern einen verstörenden gelben fetzen.
achtens: silke scheuermann. liest furchtbaren mädchentagebuchtext über patchworkfamily, schreibt aber angeblich großartige lyrik. können das leider nicht beurteilen. zu großen teilen erkennt die jury die sprachlichen mängel des textes nicht. corino muss auf falsche konjunktive hinweisen. ebel verteidigt alles mit der angeblichen »konsequenz« des textes. hält den text zudem für eine novelle (unerhörtes ereignis, siehe oben). verschweigt leider, warum der text dadurch besser werden sollten. corino verweist auf posttraumatische belastungsstörung und flashbacks. möglicher hintergrund dafür seine eigene biographie (war vor fünfzehn jahren schon mal juror). vorgeschlagen von frau märz, vermutlich wegen der gemeinsamen neigung zu roter kleidung.
neuntens: ronald reng. fußballreporter. overacted wie blöd. liest ebenfalls text über familie. inhalt: ein langweiliger familienausflug mit gestörter mutter. relevanz des textes nur verständlich durch anschließende erläuterung der weiteren romanhandlung durch ebel (mutter stirbt). kann sich als einziger für den text erwärmen, hat ihn auch vorgeschlagen.
zehntens: dieter zwicky. liest text mit lustigen sätzen über afrika. können der handlung aufgrund schweizer akzent des autors nur schwer folgen. nur der semiotiker, herr heiz, versteht den text ohne manuskript. alle anderen lesen konzentriert mit. wir haben leider kein manuskript, dennoch durch fragmente gewisse erheiterung. heiz erklärt im anschluss die gesamte schweiz und langweilt damit jeden. hat den text vermutlich nicht nur vorgeschlagen, sondern auch auswendig gelernt.
elftens: michael stavaric. leider nicht in gänze auf dem band vorhanden. las text, in dem es auch um sex ging. mangold findet das interessant. intelligente gender-einwürfe von frau radisch. vorgeschlagen von strigl.
lassen pause ausfallen und gehen gleich zum zweiten band über.
zwölftens: milena oda. gutgelaunte tschechin. sitzt in hotelzimmer, ist verschiedene autoren (kafka etc.) und schreibt sich briefe. verstehe den text als satire aufs deutschtum. mein gastgeber findet ihn unerträglich. jury ist ungemein enttäuscht. frau oda am ende auch. heiz hat sie vorgeschlagen, aber vergessen, warum.
dreizehntens: kurt oesterle. liest aus einem roman. stilistisch sehr ordentlich, inhaltlich eher langweilig. text handelt von deutschland in den sechzigern und einzelnkindern oder so ähnlich. ebel wird misstrauisch zurückgelassen. manchmal machen ihn vorträge übrigens auch argwöhnlich. meistens handelt es sich dabei um gute texte. nüchtern sagt irgendwas wirres über das heideggersche raunen. vermuten, er will darauf hinweisen, dass er auch mal was gelesen hat. vorgeschlagen von corino.
vierzehntens: peter licht. will sein gesicht nicht zeigen. mehrmals einblendung des satzes »will sein gesicht nicht zeigen«, damit es jeder begreift. vergleiche deleuze: gesicht. text ist angeblich lustig, die apokalypse ist ein nicht vorhandenes sofa. jury ist restlos begeistert (sogar ebel), wir verstehen nicht ganz, wieso. vermutung: peter licht wollte auch seine stimme verbergen, in der fernsehübertragung wurde ein anderer text eingespielt. corino will nichts über den text sagen, findet gehabe des autoren vermutlich affig. aussage des semiotikers wie immer unverständlich (»text will sich affirmativ in die welt setzen«). auch frau märz äußert sich nicht. außerdem wird lichts pseudonym für dämliche wortspiele verwendet (vergleiche goethe: mehr licht). vorgeschlagen von radisch.
gucken ein idiotisches feature mit einem experten, dem es peinlich ist, im fernsehen zu rauchen. erzählt großen unsinn über adorno und nutten, bezeichnet handke als ersten autoren der postmoderne. sind schwer verstört und schlafen durch bis tag drei.

dritter tag. adrian schwer erkrankt. leidet eventuell unter bachmann-allergie oder hat die aussagen über die kritische theorie nicht verkraftet. bedienen den videorekoder ausnahmsweise selbst. bereite im akkord salbeitee zu.
fünfzehntens: jan böttcher. adrian pennt ständig ein. sieht gar nicht gut aus. bericht vorerst ausgesetzt.

linksaußen

dass die bayrischen universitäten zur weltspitze gehören, habe ich ja anhand der romantikklausur schon zu beweisen versucht. ein weiteres indiz ist die breite allgemeinbildung, die man dort vermittelt bekommt. letzte woche habe ich, wie berichtet, gelernt, dass es im tierreich keine brutalität gibt. und diese woche habe ich bermerkenswertes über fußball erfahren, das ich unmöglich vorenthalten kann. aber kommen wir nun zur vorgeschichte (wortbedeutung nicht im adornoschen sinne):
adorno schreibt im kulturindustriekapitel in der dialektik der aufklärung (auf den letzten paar seiten ist das) ein bisschen was über sprache. da verrät er unter anderem, dass er das in den usa übliche duzen nicht mag, weil dadurch der angesprochene seinen individuellen charakter verliert, den ihm der familienname durch seine vorgeschichte verleiht (vorgeschichte meines familiennamens: verständig, beredt, ehrlich), der vorname also mehr distanz zwischen den menschen schafft, das aber verschleiert. erscheint dem ein oder anderen vielleicht ein bisschen esoterisch (oder auch unemanzipiert, denn das mit der vorgeschichte gilt ja zumeist nur patrilinear), dabei muss man aber auch betrachten, dass theodor englisch ausgesprochen für deutsche ohren eher doof klingt. der entscheidende satz aber war folgender: »der linksaußen beim fußball, das schwarzhemd, der hitlerjunge und ihresgleichen sind nichts mehr als das, was sie heißen.« und da habe ich dann folgendes gelernt:
»der linksaußen kommt aus den fünfer-stürmern und hat die nummer 5 oder 7. 10 ist der spielmacher, 1 der torwart, nur nicht in portugal, da heißt er 99.«
jetzt weiß ich auch, warum die alle philosophie studieren. denn wenn man mal bei »wer wird millionär« mitspielt, sind solide kenntnisse über die bezifferung von fußballspielern und das tierreich sicher eine große hilfe.

über die ’strophen

es gibt zwei gründe, aus denen ich herrn dativdemgenetivseintod nicht ausstehen kann. erstens halte ich ihn für einen unerträglichen klugscheißer und zweitens halte ich sprache anders als er für dynamisch und nicht statisch. dass das nicht unbedingt schlecht sein muss, lässt sich leicht zeigen. oder hätte jemand lust, das wort »nehmen« folgendermaßen zu konjugieren?

singular:
1. nim-u
2. nim-i-s(t)
3. nim-i-t
plural:
1. nem-ê-m, -ê-n
2. nem-e-t
3. nem-a-nt

ich jedenfalls nicht.

aber ganz ausnahmsweise bin ich jetzt doch ein bisschen sprachbewahrend und führe vor, was für eine lustige apostrophierung ich heute morgen gelesen habe:
»gebr´ratene Nudeln«

am telefon

gerade habe ich mit t. telefoniert, der während des gesprächs unter anderem dieses sagte:

du, ich hab nochmal darüber nachgedacht, was du gestern über das A und das »ist« gesagt hast. also das »ist« impliziert subjektive visualität und desto mehr wir unreflektiert automatisieren, das bedeutet abstrahieren, desto mehr entfremden wir unser denken. daraus resultiert, was ist, kann nicht anders sein, als es ist. die objektivierung des subjektiven führt zu subjektivierung des objektiven. allerdings muss man extrem aufpassen, dass man nicht wie hegel…

vom fordism

habe noch etwas weniger als dreizehn stunden zeit, um ein dreihundertseitiges skript in mein hübsches köpfchen zu bekommen. ein dreihundertseitiges skript wohlgemerkt, in dem die unterschiede der akkumulations-, disziplinar- und regulierungsmodelle von fordism und postfordism (schreibe -ismen immer nur -ism, erstens schrieb novalis auch stets von galvanism und zweitens spart man sich zwei buchstaben. wenn man dreihundert seiten exzerpiert, können an einzelnen zweibuchstabenkombinationen ganze sehnenscheidenentzündungen hängen.) nur schlappe vier seiten einnehmen. man kann sich ja vorstellen, wie herrlich schön der rest ist.

communication breakdown

weil ich mich nicht dafür schäme, dass hier keine interaktion stattfindet (interaktion nämlich ist eine form der kommunikation, bei der ich wahrnehmen kann, wie der andere mich wahrnimmt und andersherum. kommunikation unter anwesenden also, bezogen auf den jeweils anderen. bei blogs ist das eher nicht der fall. eine blogschreiberin richtet sich an niemanden speziell, die artikel sind, von fiesen zugangsbeschränkungen durch soziale ungleichheiten mal abgesehen, für jeden lesbar, auch mehrmals, zu beliebigen zeiten.), trickse ich nicht auf der semantischen ebene herum (wie z.b. radiomoderatoren, die ihre zuhörer persönlich begrüßen und ihnen so das gefühl zu geben, eine interaktion fände statt. die andere seite ist aber nicht minder gewitzt und steigt durch emotionale bindungen an die plappermäulchen darauf ein). hier findet nicht einmal eine parasoziale interaktion (so nennt man diese interaktion, die keine ist) statt. das will ich wirklich in aller deutlichkeit sagen, denn sonst muss ich mich womöglich eines tages wie harald schmidt mit faz-artikeln herumschlagen, falls ich mir einen bart wachsen lasse.
[originaltext kursiv, am 29. juni versehen mit dem verständnis dienlichen anmerkungen]