der kelly-trick

nach einem echten beratungsgespräch zum thema schreibhemmung lebe nun auch ich endlich mit meiner magisterarbeit zusammen, in der es – das kommt nicht völlig überraschend – so grob um jüdische aufklärung gehen wird (das genaue thema ermüdet immer alle), was seit einiger zeit mein research interest ist. meine research interests includen außerdem kognitive linguistik, frankfurter schule, frühromantik, technikrezeption im ästhetischen diskurs, moralphilosophie, kochrezepte, begriffsgeschichte und das beobachten kleiner singvögel. zum beispiel würde ich sehr gerne mal einen pirol entdecken, aber leider wird der immer seltener und brütet ohnehin sehr hoch in den bäumen, so dass… oh. ich schweife ab.

»nun ja«*, da sind also die magisterarbeit und ich. beziehungsweise bin da momentan hauptsächlich ich, weil ich gerade noch in der phase stecke, in der man sich dreitausend bücher reinzieht und alle möglichen abseitigen texte exzerpiert, um ja keinen sicherlich überaus wichtigen aspekt des themas zu übersehen (wenn man ihn übersieht, fällt man nämlich durch).
nicht immer mag ich beim arbeiten musik, aber manchmal finde ich das ganz angenehm, weil es mich von störenden gedanken ablenkt.

die frage nur, welche musik hört man da am besten?

es darf nichts sein, das ich sonst auch höre. ich befürchte nämlich, diese musik auf immerdar mit der magisterphase zu verbinden, und ich würde mir nur ungern calexico etc. verleiden. deswegen muss es musik sein, die ich nicht unangenehm finde, der ich aber gleichgültig genug gegenüberstehe, um sie schlimmstenfalls nie wieder in meinem ganzen leben ertragen zu können.
und was bietet sich da besser an als die kelly family?
die war ziemlich trendy, als ich klein war; ich kann also schon allein deswegen was damit anfangen, weil ich einer bestimmten altersgruppe angehöre. andererseits war sie nie trendy genug (beziehungsweise war ich nicht in den entsprechenden cliquen), dass ich wirklich ein fan gewesen wäre.** und ich kann mir sehr gut vorstellen, ohne eine einzige kelly-platte im gepäck für immer auf die einsame insel zu ziehen.

ich sitze also mehrmals wöchentlich vormittags von acht bis zwölf am schreibtisch, exzerpiere lazarus bendavid und höre dabei die kelly family. und zwar hauptsächlich das wunderbare »i can’t help myself«. dabei denke ich an »das unvermögen, sich seines verstandes ohne leitung eines anderen zu bedienen«*** und finde das kreuzkomisch.

* achill in heinrich von kleist, penthesilea, vierter auftritt.

** der leser wird sich jetzt fragen, was um himmels willen ich in meiner jugend gehört habe. kelly-fan war ich nicht, gothic war ich, wie man einem da unlängst erschienen eintrag entnehmen kann, ja auch nicht. was bleibt da bitte noch übrig?! naja, hier die antwort: der rebell in mir hat bad religion, nirvana und arbeiterlieder gehört, der innere intelligenzler hat auf woodstock-kram und ältere sachen geschworen, meine angepasste freizeitpersönlichkeit mochte unter anderem das modul und charly lownoise & mental theo (denn wonderful days belong to the best! // to the past, hat man mir gerade gesteckt; thank god auch das!). zugegeben, letzteres ist ziemlich hart, tut mir aber noch mehr weh als euch. und da ich normalerweise nicht darüber spreche, dachte ich mir, ich tippe es einfach mal ins internet. außerdem habe ich trotz alledem (also trotz hosen von pash, schuhen von airwalk und shirts von bad&mad) würde bewahrt: nie chemische drogen, nie love parade.

*** kant, das zitat, das wir alle irgendwo schon mal gehört haben.

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