insiderbericht

nehmen wir für einen augenblick an, ich sei dankbares objekt der ehrenwerten fürsorge diverser einrichtungen der begabtenförderung, hätte ergo einblick in gewisse seilschaften. dort hätte man mir eingeschärft, möglichst als zweiter kandidat in eine prüfung zu gehen, denn beim ersten prüfling wird die notenskala noch nicht ausgeschöpft, man kriegt ergo keine eins, und mit jedem späteren termin steigt die wahrscheinlichkeit, dass ein besserer vor einem dran war. nicht, dass das was helfen würde, wenn von einer sehr langen reihe sehr toter germanisten der ältere und der jüngere stephanie, auerbach und hölderlin (wieland und freytag wären auch möglich) komplett durchgeprüft werden. da kann man eigentlich nur scheitern, und dann schnappt das historische fangeisen, das obligatorisches requisit jeder einzelnen radikalprüfung ist, zu, und es steigt ein geruch auf, der ein bisschen an den eines auf einem edelstahltopf scheuernden stahlschwämmchens erinnert. in diesem stilvollen ambiente muss ich dann den unterschied zwischen objektiv und agentiv in einer ziemlich speziellen grammatiktheorie erklären. wenn ich versage, wird mir die kantinenkarte entzogen, und ich werde nie wieder in der palmeria essen können. obwohl ich die frage im wachzustand beantworten könnte, zerbreche ich an dieser drohkulisse.

2 Gedanken zu „insiderbericht

  1. Interessanter Rat.

    Vermutlich sitzen deswegen in der mündl. Prüfung bei uns immer 5 Kandidaten, die (meist) reihum gefragt werden. Einzelne Prüfungen/Gespräche sind ja immer schwierig zu bewerten.

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