ha! ha! said the clown

zwei phänomenologen fahren im zug. sie fahren übrigens nach hamburg. ist für den witz egal, aber ich erzähle es trotzdem. aber was werden die phänomenologen in hamburg tun? den elbtunnel besichtigen? bei klaus im »na und?« ein astra trinken? aber es ist auch egal, was sie in hamburg tun werden, und überhaupt haben sie noch sehr viel zeit, sich das zu überlegen. die phänomenologen kommen nämlich aus tübingen. mit dem zug nach hamburg zu fahren dauert von tübingen aus fast sieben stunden. das musste ich extra auf der db-seite nachschlagen, ich selbst bin die strecke noch nie gefahren. was zunächst daran liegt, dass ich noch nie in tübingen war. ich war in marbach, das reicht ja wohl. und am 11. august 1999 saß ich mit zwei freundinnen in der nähe von ulm in einem maisfeld. das lag an der sonnenfinsternis. zwei tage vorher war der spiegel das erste mal in neuer rechtschreibung erschienen. daran erinnern sich gerade auch die phänomenologen. die stehen inzwischen nämlich in stuttgart am bahnhof, wo sie über eine halbe stunde lang aufenthalt haben. deswegen blättern sie ein paar zeitschriften in der bahnhofsbuchhandlung durch, unter anderem eben den spiegel. aber sie kaufen nichts, es sind sparsame phänomenologen. und bald schon sitzen sie ohne ieitschriften im ice nach hamburg. es ist übrigens der ice »roswitha von gandersheim«. zwei phänomenologen fahren also im zug. bis hamburg haben sie noch knapp fünf stunden vor sich. zum glück ist erzählzeit nicht immer gleich erzählter zeit. gut auch, dass ich ein auktorialer erzähler bin. dass der ice »roswitha von gandersheim« heißt, wissen die phänomenologen nämlich gar nicht. aber natürlich wissen sie, wer das war. ob roswitha wirklich existiert hat, wissen sie indes wiederum nicht. für den witz aber eh egal. hauptsache ist, dass die phänomenologen im zug fahren. gerade übrigens kurz hinter göttingen. der zug ist inzwischen noch ein stück weiter hinter göttingen und schlängelt sich so durch niedersachsen. jetzt sind die schokoriegel alle, die phänomenologen starren gelangweilt aus dem fenster. dafür haben sie sich genau den richtigen moment ausgesucht. beziehungsweise ich ihnen, ist ja meine geschichte. draußen nämlich wird es gerade etwas ländlicher. die phänomenologen betrachten eine schafherde mit sehr kuschelflauschigen exemplaren schaf. so niedlich sind die, dass man sie sofort wuscheln möchte. superweich! wie zuckerwatte sieht das aus! »weißt du«, sagt der eine phänomenologe jetzt zum anderen, »auf der anderen seite sind sie nackt.«

2 Gedanken zu „ha! ha! said the clown

  1. Dein Talent, eine Geschichte zielstrebig ihrer Pointe zuzuführen, wird bestenfalls noch von Deiner Fähigkeit übertroffen, den Leser von einer erkenntnisreichen Perspektive abzuschatten.

  2. chapeau madame. die geschichte gefällt mir…
    als nürnbergerin empfiehlt es sich das welterbe limes auch mal anzuschauen. bei pfünz dort droben weiden manchmal schafherden…;-)

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