offener brief zum wiegenfeste

teuerster daniel r.,

jedes jahr wird es schwieriger, angemessene geburtstagswünsche für dich zu finden.
nach wie vor verfügst du über einen interessanten studiengang, ein umwerfendes äußeres, eine angenehme persönlichkeit, einen rückenkratzer und alles, was man sonst noch braucht; dass sich inzwischen hinreißende hüte, eine gemütliche wohnung und eine funktionsfähige waschmaschine zum kreise deiner lieben sieben sachen hinzugesellt haben, macht die glückwunschkiste hier nicht einfacher. zumal du ja sogar dinge besitzt, die meiner bescheidenen meinung nach kein mensch braucht (z.b. diverse platten von deerhoof). nun könnte ich dir gutes gelingen beim vorsatz, dich von anderen dingen, die kein mensch braucht, fernzuhalten, wünschen, aber siehe, die platte von bon jovi bist du geschickt losgeworden, so dass ich dir nicht einmal mehr die bekanntschaft mit einem nervtötenden fangirl wünschen brauche, welches dir besagtes artefakt abkaufen würde. denn auch das ist bereits geschehen.
daniel r., du siehst mich hilflos. ([x] 56 – und schon wieder einfach nicht mehr weiterwissen.)
auch meine reichen und schönen freunde, die ebenfalls schon alles haben, konnten mir nicht helfen. wenn es nach denen ginge, würde ich dir einen gutschein für die teilnahme an einer vom bund deutscher radfahrer organisierten achtwöchigen nacktradeltour durch die schönsten deutschen mischwälder schenken. aber erstens gibt es sowas leider nicht, zweitens würde da, falls es das gäbe, garantiert rudolf scharping mitfahren, drittens hast du das radfahren vergleichsweise spät gelernt und solltest dich nicht so horrenden strapazen aussetzen. mit den alternativvorschlägen (mitgliedschaft im christlich-fundamentalistischen flügel der zentrumspartei, gartenkralle gold, dekorative jade-elefanten, die man überall in seiner wohnung verstecken kann) war ich auch nicht so zufrieden.
ich muss also zum äußersten greifen.
lieber daniel, ich wünsche dir, dass du vorerst nicht berühmt und hochangesehen wirst. lieber wäre mir sogar, du wärst nicht so ein verdammt wohlgelittener und tonangebender typ, wie du es eben bist. ich wünsche dir, dass die bewunderung deiner mitmenschen für dich zurückgeht, deine popularität nachlässt und dein stern schleunigst sinkt. mögest du innerhalb des nächsten jahres keinen heißbegehrten roman verfassen. mögest du keine vergötterte lifestyleikone werden. mögest du keine erstklassige modelinie entwerfen und kein angesagter designer werden.
vielleicht denkst du jetzt, ich wünsche dir nicht das beste. aber da irrst du dich, meine diesjährigen wünsche haben einen ernsthaften hintergrund. denn der ganze aufwand würde sich ja gar nicht mehr lohnen, jetzt wo die vanity fair eingestellt wird. vermutlich müsstest du mangels vernünftiger podien für ausgeflippte prominente sogar wettpate bei hariboschalk werden oder bei anne will neben walter mixa sitzen (und da sei gott davor). aber das ist gar nicht das schlimmste daran. viel schwerwiegender ist das, was mit tollen menschen geschieht, wenn sie 27 sind. also sei bitte ein bisschen weniger super, okay?

sei umarmt von
deiner anna r.

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