dem volk aufs maul

(natürlich nur geschaut. wir sind ja keine freunde der gewalt. obwohl ich beim am ende geschilderten erlebnis kurz davor war, meine einstellung tatkräftig zu revidieren.)

schnoberte mich letztens durch einen ganz besonderen gebrauchtbuchladen, dessen charme hauptsächlich durch höllenturmartige regale ausgelöst wird, die scheinbar wahllos mit schmökern aller art bestückt wurden. da alphabetische ordnung in diesem geschäft augenscheinlich als teufelszeug betrachtet wird, muss man recht aufmerksam schatzsuchen; wahrscheinlich liegt es aber genau daran, dass ich dort schon fänge eingesackelt habe, die mir auch bei retrospektiver betrachtung noch ein gewisses prickeln in tast- und sehnerven bescheren. zum beispiel die arbeitslosen von marienthal für vierzig cent. noch herausragender sind aber manche buchtitel, die man durch einen augenwinkel einsaugt, und die teils herausragend grauenhaft sind (»liebe wild und gefährlich«), teils den forschergeist wecken, herauszufinden, worum es sich da eigentlich handelt. »alles fleisch ist wie gras«, ein satz der sich ob seiner finesse geradezu in die synapsen ätzt (wer es nicht glaubt, kann bei brahms nachhören).
ein weiteres mal übelst die hirnrinde abgebeizt bekam ich anfang der woche in der s-bahn, als ich mich gezwungen sah, die lektüre eines ganz passablen viehzuchtuniversitätscampusromans zu unterbrechen, weil die unterhaltung des paars schräg hinter mir mein bewusstsein massakrierte. und dann, nach einem zügellosen jaulen, das ungefähr so klang wie »ich lieeeeebe dich«, sagte sie, ihre stimme schlagartig mit einem nüchternen tonfall versehen, zu ihm: »ich hatte wirklich angst, dass deine frisur so bleibt, als ich dich mir gesichert habe.«

Ein Gedanke zu „dem volk aufs maul

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