napoleonische apokalypse

heute nacht wurde im ganzen haus die schließanlage ausgewechselt und neue, kleinere schlüssel für die hausbewohner in einem weidenkörbchen in den hausflur gestellt. eigentlich, wenn ich einen seriösen samstagmorgen habe, liegt in diesem weidenkörbchen meine frühstückssemmel, doch jetzt lagen darin eben die schlüssel. aber ich wusste nichts vom schlössertausch, und so kam es, dass ich mit einigen anderen uninformierten hausbewohnern vor verschlossener haustür stand, so lange, bis uns dann der alte russe aus dem ersten aufsperrte. das weidenkörbchen war leider inzwischen leer, weil einige leute einen hohen bedarf an zweitschlüsseln geltend machten und daher zwei oder drei schlüssel entnommen hatten. darum ließ ich mir auch die wohnungstür öffnen, und plötzlich konnte ich durch einen bretterverschlag sehen, wie ich selbst mit zwei freunden, deren namen ich nennen könnte, wenn ich wollte, einer zu meiner linken, der andere zu meiner rechten seite, durch eine östliche steppenlandschaft ritt. wir saßen äußerst elegant auf dunklen pferden, die sich aufs haar glichen, und trugen rotgoldene korsarenuniformen, deren schulterteile kubistisch hochgezogen waren, dazu lächerliche dreispitzhüte, und auch all dieses glich sich genau. die szene sah nach einem großartigen abenteuer aus, und ich wollte länger zusehen, aber der alte russe blickte mir über die schulter und wisperte mit einem warnenden unterton: das ist die zukunft, sieh nicht hin. das ist noch nicht geschehen.

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