kurz notiert #2

freitag: verspüre aus heiterem himmel ein heftiges und wildes bedürfnis, lieder von queen anzuhören. und mitzusingen. nachdem ich meine stimmbänder ruiniert habe, widme ich mich der bewerbung eines freundes, die es qualitätssicher im team aufzuhübschen gilt. da »superkräfte« und »als kind in den zaubertrank gefallen« vielleicht etwas dick aufgetragen sind, entscheiden wir uns (ebenfalls qualitätssicher im team) für britisches understatement: »Sie sind für mich die beatles des id-managements«.

samstag: auch an diesem tag existiere ich körperlich. leider schleicht sich ein verirrter queen-ohrwurm in mein gehirn, der einen großteil meiner erinnerungen löscht und mit informationen über vanilleschoten überschreibt.

sonntag: werde frühmorgens vom klingeln des telefons aus einem traum über meinen abtrünnigen lieblingskaiser julian gerissen. die sekretärin meines mentors ist dran, sie übermittelt mir seinen neuesten auftrag. ich soll einen lateinkurs besuchen, um in meinem nächsten traum kompetenter zu wirken. julian spricht aber lieber griechisch, wende ich ein. hm, sagt sie und raschelt mit papier, ich kann ihnen nur sagen, was hier in meinen unterlagen steht. dann legt sie auf, und ich esse später bei meiner oma hirseauflauf. danach sonntäglicher friedhofsbesuch.

montag: finde mich pünktlich zum lateinkurs ein, in dem ich die nächsten zwei wochen verbringen werde. wir sind ungefähr vierzig leute mehr als geplant war. bin immer noch queen-geschädigt und übernehme daher die leitung einer arbeitsgruppe. muss danach arbeiten und komme erst nachts um halb eins nach hause. diesmal keine lustigen kundenanrufe, stattdessen wurden die regler für die saalbelüftung einen meter höher gesetzt, weil ich die gerne mal übersehe.

dienstag: begegne morgens auf dem weg zum kurs am bahnhof japanern, die metallköfferchen mit der aufschrift »biohazard robots« herumziehen wie kleine spielzeugenten. kann meinen augen nicht trauen und gucke nochmal hin, inzwischen steht da aber nur noch »bioloid robots«. vermutlich ist mal wieder spielzeugmesse. dekliniere danach stundenlang wörter und präsentiere erkenntnisse über die römische geschichtsschreibung.

mittwoch: im lateinkurs fragt mich verena, ob sie mal von meiner cocae colae trinken dürfe. deklinieren danach zum spaß das wort zero (dativ oder akkusativ maskulin oder neutrum im singular, nominativ zerus oder zerum) und übersetzen cicero. »romae magnae discordiae sunt« wird zu »in rom gibts krassen stress«. und ganz gallien ist fett verkracht in drei teile, habe ich mir sagen lassen. überlegen, ob man vokative mit »alder« übersetzen kann. bemerke, dass queen nicht zum »van damme«-choir, sondern zum fandango auffordern.

donnerstag: bin einerseits froh, diesen lateinkurs zu besuchen, weil ich endlich das spiel verstehe, bei dem man nicht ja und nein sagen darf. befürchte aber andererseits, einen dauerhaften schaden davonzutragen, weil der kurs zu viel platz in meinem leben einnimmt, und ich dank eines äußerst abschreckenden beispiels weiß, was aus einem werden kann, wenn man nicht rechtzeitig die reißleine zieht. verbringe deswegen die mittagspause in der bibliothek der germanistik und werde von bildung und weisheit erfreut und bewegt. muss gleich frauentausch gucken, damit das aufhört.

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