country leaver #1

david zieht nach tel aviv. mit wem ziehe ich um die häuser?

es begann in einem flugzeug. wurde beim check-in aufgehalten (erwecke offensichtlich den eindruck, als wäre ich in der lage, devisen in einer höhe auszuführen, die mir schmerzen und dem zollpersonal kontrollust bereitet) und betrat die maschine als eine der letzten. zwischen mir und meinem platz, tatsächlich wie von meinem travel agent versprochen am fenster in einer der ersten reihen, die einzige attraktive person im ganzen raum.
ich: kannst du mich bitte mal durchlassen?
person: huh? sorry?
ich: sorry, could you please let me through?
person: yeah, no problem.
hakte auf meiner liste die ersten punkte (familie verabschieden, einchecken, hinsetzen) ab und begann, mich zu den kniffligeren tasks vorzuarbeiten (schlaftabletten nehmen, ohne wie eine medikamentenabhängige irre zu wirken, schlafen), was mir nicht so recht gelingen mochte. die person neben mir schien ein ähnliches programm geplant zu haben, war aber ebenso erfolglos. orderten daher eine unmögliche menge rotwein, die zwar ernüchternd gering ausfiel, mir aber immerhin die genugtuung verschaffte, im us-amerikanischen hoheitsgebiet nach einer alkoholbestellung das erste mal nicht nach dem ausweis gefragt zu werden (übliche reaktion auf meinen deutschen personalausweis: holy cow! ich dann meistens: yes, i’m part of the crazy german herrenvolk. anyway, can i have my drink please?). als sich mein sitznachbar ordentlich lockergetrunken hatte, führten wir eine weitere kleine unterhaltung, diesmal über das gewicht seines gepäcks, das die fluggesellschaft nahezu in panik versetzt hatte, worauf sein flug umgebucht wurde und so weiter. und das nur, weil er ungefähr eintausend us-amerikanische fertiggerichte, salad dressings (geschmacksrichtung ranch, falls es jemanden interessiert) und instantkartoffelbrei nach england importieren wollte. frechheit. dabei seien diese nahrungsmittel für ihn als amerikaner lebenswichtig, die briten hätten nämlich keinen instantkartoffelbrei und irgendwas muss man ja essen und überhaupt. hatte zwar selbst eine eisenbeschlagene reisetruhe, vollgestopft mit rice-a-roni, salad dressing (geschmacksrichtung blue cheese, falls es jemanden interessiert) und microwave popcorn, zu importzwecken dabei, tat aber aus gründen der coolness so, als hielte ich das problem meines reisebegleiters für absurder als einen deutschen personalausweis. welcher übrigens der nächste gegenstand unserer unterhaltung war. jeremy, so meines schmucken sitznachbars name, hatte sich nämlich mal in einer lage befunden, die es erforderte, in der kölner wohnung eines fremden mannes musik von rosenstolz zu hören. ein erlebnis, das ich ihm nicht im geringsten neidete, für ihn aber eine spirituelle erweckung darstellte. jeremy, ursprünglich baptistisch erzogen, fühlte sich seitdem dem deutschtum zugewandt und verfolgte mehr oder minder ernsthaft den plan, in deutschland englischlehrer zu werden, weswegen er an seiner uni in england einen anfängerkurs in dieser sprache mit den »crazy umlauts« und den »words as long as a ****« belegt hatte. die nächsten sieben stunden verbrachten wir folglich mit dem lernen von vokabeln und dem trinken von noch mehr rotwein und dem ein oder anderen irischen cremelikör auf eis.
danach adressentausch und frühstück (ich: den obligatorischen chocomel; jeremy: ungefähr zwanzig tassen kaffee) auf dem schiphol.

demnächst: jeremy in deutschland + die auflösung der frage, was das eigentlich mit david zu tun hat.

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