jede wahrheit braucht einen mutigen #9 + 10

dank ostfensterfront so gegen fünf aufwachen: nicht so der hit.
auch nicht so der hit: leute, die sich ein anderes abteil suchen, weil man ihnen im zug die sprachgeschichtliche herkunft der namen diverser skandinavischer parlamente (z.b. riksdag, folketing) erklärt.

3 Gedanken zu „jede wahrheit braucht einen mutigen #9 + 10

  1. BILD informierte uns heute über den aktuellen Stand der Schwangerschaft von Seehofers Zweitfrau – Du glaubst doch nicht im ernst, daß Du bei der hiervon absorbierten Aufmerksamkeit Deines Bahn-Gegenübers irgendeine Chance hast?!

    Äh… woher kommt denn folketing?

  2. okay, ich hoffe, ich kriege es hin…
    folketing ist das dänische parlament, das wort bedeutet volksversammlung. spannend daran find ich hauptsächlich das -ting, weil du das auch in den anderen skandinavischen (also nordgermanischen) sprachen findest; z.b. im norwegischen (deren parlament heißt storting, es besteht aus den kammern odelsting und lagting; das system ist ein bisschen wirr, es reicht zu wissen, dass das odelsting größer ist und die gesetzesentwürfe zuerst behandelt, ehe sie ans lagting weitergereicht werden. obwohl es vielleicht auch in ordnung ist, gar nichts darüber zu wissen). im isländischen gibt es das altthing (das isländische regierungssystem kann ich aber nicht, daher hier kein exkurs), im schwedischen das landsting (wobei das nicht das parlament ist, das heißt ja riksdag, sondern so eine art landtag); und sogar im herrn der ringe gibt es das entthing (und einen haufen anspielungen aufs nordische mehr, ein paar namen sind aus der edda; außerdem erinnert der ring ein bisschen an den sampo aus dem kalevala, aber zugegeben, das ist eigentlich finnisch) .
    also, das ting (oder auch thing): es kommt vom altnordischen þing, und es bedeutet »öffentliche versammlung« (zum zwecke der gesetzgebung oder von gerichtskram; alt(ost)nordisch »þingmaþoer: richter, oder wörtlich: »dingmann«). im englischen (thing) und deutschen (ding) gibt das wort ja ganz offensichtlich auch noch, es bezeichnet aber nicht mehr die versammlung, sondern hat inzwischen die bedeutung »sache«. das leitet sich aber von den auf einem þing besprochenen rechtssachen ab. also, im westgermanischen (deutsch, englisch, beim niederländischen weiß ich es nicht) beutungswandel, nicht mehr die versammlung, sondern der auf ihr besprochene gegenstand ist jetzt das bezeichnete.
    total abgefahren, oder? (ich belege an der uni nämlich fast nur noch seminare und vorlesungen, über die man auch mal gut smalltalk führen kann.)

    ob es zwischen »folk« und »fylke« (so heißen die norwegischen provinzen) einen zusammenhang gibt, weiß ich nicht, aber ich könnte es mir vorstellen.

  3. habe Deine Darlegungen jetzt vier mal gelesen, und fühle mich allmählich einigermaßen im Bilde. Danke! Hätte ICH Dir in der Bahn gegenüber gesessen, ich hätte womöglich glatt meine Super-Illu für einen Moment beiseitegelegt.

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