ich will noch einmal sehen wohl in den tiefen rhein

heute nacht ritt ich den rhein hinauf nach rotterdam. bei cöln machte ich station, dort schlug man mir vor, im damensattel zu reiten, was ich aber ablehnte. in rotterdam traf ich gleich abends einen jüdischen schneider, der einen feinen silberfaden sponn; der sollte mir ein kaddisch auf meine ärmelaufschläge sticken. der schneider kannte mich nicht, so überbrachte ich ihm eine empfehlung meines waffenbruders katz; daraufhin zeigte er sich vertraulich und bestickte er mir bis zum morgengrauen den mantel. trotz des trüben kerzenlichtes wurde es eine ausgezeichnete arbeit, und als ich den schneider bei sonnenaufgang verließ, steckte er mir noch eine botschaft an katz zu. abends in nürnberg führte mich der erste weg zu meinem treuen waffenbruder, doch ich war zu spät, katz war des nachts verstorben. so hatte auch das kaddisch auf meinen ärmeln einen sinn bekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.