motivationsliste für schwache stunden

wenn ich die magisterarbeit abgegeben habe:

#1 werde ich zuerst mein tschechisch aufpolieren und dann mit dem fahrrad (und zwar mit dem todschicken tourentauglichen vsf-rad, das ich bis dahin hoffentlich habe, HALLO MAMI!!!) auf dem paneuropa-radweg nach prag fahren. dort werde ich so lange entkräftet herumhängen, bis ich mich dazu aufraffen kann, zugtickets zu lösen und überaus wichtige fantaghiro-drehorte zu besichtigen. burg bouzov muss unbedingt sein; burg pernštejn, burg kokořín und burg helfštýn vielleicht auch. soll heißen: ich werde zwei wochen lang urlaub nach meinem geschmack machen.

#2 werde ich an einem wildkräuterseminar teilnehmen. es darf aber nicht esoterisch sein.

#3 werde ich das hebraicum machen. also vielleicht, falls ich zeit für den kurs freischaufeln kann.

#4 werde ich eine wilde party schmeißen, mit marillensekt, bunten partyhütchen und hübschen germanisten. meine gäste werden über herder debattieren, und ich werde ihr prinz sein.

keeps on turning :(

auf twitter verlinkt @astefanowitsch einen lesetipp (klickbar!), den ich mir natürlich sofort reinschmökere. es handelt sich dabei um einen artikel in der berliner zeitung (klickbar), in dem eine studie von naika foroutan angekündigt wird, die sich mit den statistiken im sarrazin-buch auseinandersetzt. das klingt vielversprechend, und tatsächlich finde ich im artikel dann auch die ein oder andere interessante passage.
besonders hinweisen möchte ich auf diese hier:

Sarrazin behauptet: »In Berlin werden 20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1000 türkischen und arabischen jugendlichen Tätern begangen.«

ohne das sarrazin-buch gelesen zu haben, leuchtet mir ein, warum man diese these überprüfen muss, wirken so runde zahlen doch immer dubios. naika foroutan hat beim polizeipräsidenten nachgehakt, und siehe:

8,7 Prozent der Gewaltkriminalität in der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2009 von Tatverdächtigen begangen, die entweder türkischer Nationalität oder dem arabischen Raum zuzuordnen waren.

bezieht man zusätzlich die fälle ein, bei denen die nationalität der täter nicht bekannt ist, kommt man auf einen maximale prozentsatz von 13,3. selbst wenn also all diese täter türken oder araber wären, scheint mir sarrazins these damit widerlegt zu sein.

warum mich das thema »fingierte statistiken« momentan so interessiert, wird vielleicht deutlich, wenn ich eine geschichte aus der deutschen spätaufklärung erzähle. in den jahren 1781 und 1783 hat ein gewisser herr von dohm eine zweibändige programmschrift vorgelegt, in der er für die judenemanzipation eintritt und darzulegen versucht, warum der preußische staat profitieren würde, würde man den juden das bürgerrecht zuerkennen. ich will die argumentation hier nicht en detail ausführen (der schinken ist ziemlich lang, ihr müsst mir einfach glauben, dass die argumentation gut ist), es geht mir vielmehr darum, dass die schrift eine breite diskussion in verschiedenen zeitschriften ausgelöst hat, und natürlich ist dohm nicht nur auf offene ohren gestoßen. vor allem eine negative rezension, nämlich die des göttinger orientalisten michaelis, ist an dieser stelle erwähnenswert. ich zitiere jetzt einen text, den ich vor kurzem darüber geschrieben habe, und dann mag sich jeder seinen teil über alte miese tricks von pseudoaufklärern denken.

Die gesamte Rezension ist mit Schmähungen durchsetzt, die anknüpfend an die politische Arithmetik empirisch wirken sollen, aber vom Autor nicht weiter belegt werden, so beispielsweise die Behauptung, „vielleicht die Hälfte der zu den Diebesbanden gehörigen, oder doch um sie wissenden, sind Juden, und schwerlich machen die Juden den fünfundzwanzigsten Theil der Einwohner Deutschlands aus“, womit belegt werden soll, „daß die Juden […] 25 oder noch mehr mahl lasterhafter sind, als andere Einwohner Deutschlands«; oder auch die These, „die deutschen Bürger möchten gar beim Zunehmen der neuen Jüdischen abnehmen, und verdrängt werden, denn unsre Handwerkspursche und Bauren heyrathen nicht so früh als Juden“.

disclaimer: ich will hier nicht nahelegen, herr sarrazin sei antisemit oder was auch immer. ich möchte vielmehr zeigen, dass gewisse spielchen eine unschöne tradition haben.

»sprachkritik«

übellaunig werde ich immer dann, wenn ich in wissenschaftlichen aufsätzen einen mitreißenden punkt entdecke, der aber nur halbschräg angekratzt wird, weil weitere ausführungen »den rahmen sprengen würden.« erstens, weil’s halt einfach unbefriedigend ist, und zweitens, weil ich schon alleine die formulierung missbillige. ehrlicher wäre es doch, würde man stattdessen schreiben, weitere ausführungen spare man sich an dieser stelle aus lustlosigkeit am digressieren oder, noch ehrlicher, weil man sonst wegen nicht eingehaltener zeichenbegrenzung gerügt würde. blöder als »den rahmen sprengen« klänge das auch nicht.

»alle« reden von metalepsen

an der neuen s-bahn nach erlangen gefallen mir am besten die gespräche der mitreisenden. heute zum beispiel, gerade hatte ich angefangen, über einen satz bei lars gustafsson nachzudenken (»Sie hatte sogar eine Rarität wie Norman Spinrads The Iron Dream in der Originalausgabe, ein bizarrer Roman, der von einer Welt handelt, in der Hitler als junger Mann nach dem Fiasko an der Wiener Kunstakademie nach New York emigriert, Science-fiction-Autor wird und den Roman The Iron Dream schreibt, der den deutschen Nationalsozialismus als Science-fiction schildert.« – Ich meine, der Roman, den der fiktionale Hitler schreibt, heißt nicht The Iron Dream, sondern Lord of the Swastika, aber vielleicht ist das in der Erstausgabe anders?), wurde ich »unfreiwillig« (kann aber auch sein, dass ich stielohren gemacht habe) zeuge einer herzensenttäuschung. aufmerksam wurde ich auf die beiden zuckerherzchen durch gesprächsfetzen über einen gewissen shakla khan, der wohl ein berühmtes spiegelkabinett gebaut haben muss. sehr spannend! das gespräch, hauptsächlich bestritten von zuckerherzchen1_w, ging dann weiter mit ausführungen über den postmodernen roman (»mit metalepsen und so«), und zuckerherzchen2_m schien auch schwer beeindruckt davon zu sein, wie ich seinem ausruf »wow, das ist ja geil!« entnehmen konnte. und die augen von zuckerherzchen1_w werden groß und machen glitzibling, und alles ist sehr romantisch, bis dann zuckerherzchen2_m so: »dieses schild da draußen! harley parking only! echt geil!« aber mal ehrlich, unter uns sportsfreunden, das schild ist wirklich gut.

in good condition?

hier eine liste mit kram, der in der schweiz verfassungsrang hat:

Der Einsatz darf 5 Franken nicht übersteigen.
(aus der übergangsbestimmung zum artikel 106, glücksspiele)

Moore und Moorlandschaften von besonderer Schönheit und gesamtschweizerischer Bedeutung sind geschützt.
(aus artikel 78, natur- und heimatschutz)

Der Bund legt Grundsätze über Fuss- und Wanderwegnetze fest.
(aus artikel 88, fuß- und wanderwege)

Die Transitstrassen-Kapazität im Alpengebiet darf nicht erhöht werden.
(aus artikel 84, alpenquerender transitverkehr)

die ub und ich (folge 1)

ein nachbericht.

am mittwoch (3. november) habe ich in der UB ein buch über fernleihe bestellt. am freitag (5. november) habe ich die nachricht bekommen, der von mir benötigte aufsatz sei in einem sammelband in erlangen erhältlich. eigentlich sehr gut. allerdings ist das buch nicht im OPAC gelistet. am montag (8. november) habe ich die signatur aus dem bandkatalog herausgewühlt und das betreffende buch mittels gelbem zettel angefordert. am dienstag (9. november) hätte es im lesesaal bereitliegen sollen. natürlich war auch abends noch nichts da. am mittwoch, 10. november, immer noch nicht. auch im handschriften-lesesaal nicht. das buch ist nicht mehr im magazin. auch der gelbe zettel ist verschwunden. mich zerbröselte es ein wenig. am 11. november ist das buch schließlich aufgetaucht. hätte ich eine digitalkamera eingepackt, hätte ich einzelne seiten daraus fotografieren dürfen. später kam es dann sogar dazu.

i have other news also to tell you

»i have other news also to tell you. we have a brave new ship, a royal galleon, the like, they say, did never spread sail upon salt water, take her true and well compacted symmetry, with all dimensions, together: for her burden, she hath as many tuns as there were years since the incarnation, when she was built, which are 1636; she is in length 127 feet, her greatest breadth within the planks is 46 feet, and six inches; her depth from the breadth is 19 feet, and four inches: she carrieth 100 pieces of ordnance wanting four, whereof she hath three tyre; half a score of men may stand in her lanthorn [..].« (james howell, epistolae ho-elianae)

blöde nuss

eigentlich wollte ich heute ein fragment aus dem wunderbaren hannoverischen magazin vom jahre 1787 präsentieren, in dem es um das schachspiel und seine ähnlichkeit mit der musik geht; eine verbindung, die durch einen verweis auf den namensgeber der philidor-verteidigung unterstrichen wird, denn der ist »von allen franzosen unstreitig der größte tonkünstler.« nachdem das aber ja, ich zitierte es eben, unstreitig ist und daher keiner weiteren erklärung bedarf, präsentiere ich nun etwas anderes, nämlich das von mir eben entdeckte nussrätsel.

an das schach-musik-fragmet schließt sich ein artikel an, in dem heinrich wilhelm rotermund »ueber die titulaturen« spöttelt und erzählt, »die stadthalter einer asiatischen provinz haben schon seit undenklichen zeiten her den sonderbaren und lächerlichen titel, die muskete des trostes, und die rose des vergnügens.« sonderbar indeed! denke ich mir und will natürlich mehr darüber herausfinden.
ich entdeckte eine weitere belegstelle im vierten band der österreichischen zeitschrift feierstunden für freunde der kunst, wissenschaft und literatur von 1834. dort heißt es, »ein sophi von persien führte nach dem berichte des engländers howel folgende titel: das hohe und mächtige gestirn, dessen haupt mit der sonne bedeckt ist; der herr der gebirge caucasus und taurus, der flüsse euphrat, tigris, araxes und indus; der abglanz der ehre, der spiegel der tugend, die rose des vergnügens, die muskatnuß des trostes. so schmolz der gewaltige herr aus einem sterne in eine nuß zusammen.« aber moment mal? warum denn eine nuss? war es nicht eigentlich eine muskete gewesen? irgendwas stimmt da nicht!
als nächstes wühle ich die intercepted letters von thomas moore hervor. dort nämlich findet man im sechsten brief die zeilen »nutmeg of comfort! rose of pleasure!«, und dann – endlich – auch diesen ominösen engländer, welcher james howell heißt und im 17. jahrhundert gelebt hat. außerdem hat er 1645 bis 1655 die epistolae ho-elianae verfasst, in dem es den einen, besagten brief mit der muskatnuss gibt, den ich irgendwann vielleicht noch ganz zitieren werde, weil er so ist, wie er eben ist. damit die geschätzen faulbären unter den lesern sich das nicht reinziehen müssen (und ich das nicht komplett tippen muss), kommt aber hier schon die auflösung zur nuss: james howell schreibt vom sophy of persia, dessen titel da lautet »the star high and mighty, whose head is cover‹d with the sun, whose motion is comparable to the ethereal firmament, lord of the mountains caucasus and taurus, of the four rivers, euphrates, tigris, araxis, and indus; bud of honour, the mirror of vertue, rose of delight, and nutmeg of comfort. it is a huge descent, methinks, to begin with a star and end in a nutmeg.« sogar den witz am ende haben die österreicher also geklaut!

es scheint mir also erwiesen, dass es sich bei der muskete des trostes um einen fehler handelt. selbst, wenn die englische quelle, in der von »the nutmeg of comfort« die rede ist, nicht aufzufinden gewesen wäre; es ist historisch ziemlich unwahrscheinlich, dass sich »the sophy of persia« eine muskete des trostes nennt, denn die muskete ist eine europäische waffe der frühen neuzeit und passt im gegensatz zur rose nicht in das metaphernkonvolut persiens (eine these, die ich freilich wage, ohne hier nähere informationen zu besitzen). einen übersetzungsfehler kann man aber wohl ausschließen, da die worte NUTMEG und MUSKET einander nicht sonderlich ähneln. die worte MUSKAT und MUSKETE aber sehr wohl, daher könnte der fehler bei einer zitation einer deutschen übersetzung entstanden sein. aber wo? wusste da jemand nicht, was muskat ist? kann ich mir kaum vorstellen.

und wer ist eigentlich »the sophy of persia«? in den texten, die ich hier erwähnt habe, ist das sowohl »ein stadthalter einer asiatischen provinz«, »ein sophi von persien« als eben auch »the sophy of persia«. man findet den titel »rose of delight« aber auch dem »king of persia« (israel disraeli in curiosities of literatur, 1835) und dem »gouvernor of shiras« (encyclopaedia britannica, 1823; weitere belegstellen 1813 und 1839) zugeordnet, und im philosophischen wörterbuch von voltaire (1764) etwas vage »et tel gouverneur de province qui s’intitule muscade de consolation et rose de plaisir […]«.

soso, MUSCADE also (die muskete wäre im französischen le MOUSQUET). und ist es nicht interessant, dass rotermund genau die titel angibt, die man bei voltaire findet, den restlichen rattenschwanz, der ja nicht minder schräg klingt, aber gar nicht erwähnt?
könnte sein, dass hier der hund begraben ist! es gibt nämlich noch eine übereinstimmung zwischen rotermund und voltaire. beide erwähnen den marquis von louvois. voltaire schreibt: »on conte qu’un vieil officier qui savait peu le protocole de la vanité, ayant écrit au marquis de louvois: monsieur, et n’ayant point eu de réponse […]«, und bei rotermund liest sich die geschichte so: »eben so nahm es der marquis von louvois einem erfahrnen officier sehr übel, daß er ihn nur als monsieur tituliret […].«

aber welche quelle hat voltaire benutzt? er kennt anscheinend nicht alle titel und ordnet sie keiner genauen person zu. ach du wunderbares nussrätsel!

katze mit hut

um die nacht vor der karfreitagsliturgie revue passieren zu lassen:
halb amaretto, halb gin ergibt auch in einem glas mit buntem strohhalm und eiswürfeln keinen cocktail. vielmehr ergibt es eine nahezu dr. seuss’sche erfahrung: the cat in the head.

neue mannigfaltigkeiten

heute: probe von der beredsamkeit eines nordamerikanischen wilden.*

ich rufe heute jeden weißen mann zum zeugen, ob er je in logans hütte hungrig kam, und er gab ihm nichts zu essen, ob er je kalt und nackend kam, und er bedeckte ihn nicht? während des letzten langen und blutigen krieges blieb logan müßig in seinem zelt, ein sprecher für den frieden; ja so sehr liebte er die weißen, daß seine eigne landsleute, wenn er vorbey gieng, auf ihn zeigten, und sagten: logan ist der freund der weißen menschen. ich hatte sogar den gedanken, unter euch zu leben; – aber die ungerechtigkeit eines mannes! – obrist [unleserlich], im letzten frühling, mit kaltem blut, unbeleidigt, ermordete alle verwandte logans, schonte selbst meiner frau und kinder nicht. nun läuft kein tropfen meines bluts in den adern irgend einer menschlichen kreatur. dies rief mich auf zur rache. ich habe sie gesucht. ich habe viel getödtet. ich habe meine rache völlig ersättigt. – für mein vaterland freue ich mich über die morgenröthe des friedens. aber hege nicht den gedanken, daß meine freude die freude der furcht ist. logan fühlte nie furcht. er wird nie seine ferse zeigen, sein leben zu retten. – wer wird nun einst um logan trauern? – niemand!

* beym letzten friedensschluß der provinz virginia mit den wilden nationen, hielt logan, der chef der schawanesen, diese rede an mylord [unleserlich]

»The authenticity of the speech is the subject of much controversy, however.«

der kelly-trick

nach einem echten beratungsgespräch zum thema schreibhemmung lebe nun auch ich endlich mit meiner magisterarbeit zusammen, in der es – das kommt nicht völlig überraschend – so grob um jüdische aufklärung gehen wird (das genaue thema ermüdet immer alle), was seit einiger zeit mein research interest ist. meine research interests includen außerdem kognitive linguistik, frankfurter schule, frühromantik, technikrezeption im ästhetischen diskurs, moralphilosophie, kochrezepte, begriffsgeschichte und das beobachten kleiner singvögel. zum beispiel würde ich sehr gerne mal einen pirol entdecken, aber leider wird der immer seltener und brütet ohnehin sehr hoch in den bäumen, so dass… oh. ich schweife ab.

»nun ja«*, da sind also die magisterarbeit und ich. beziehungsweise bin da momentan hauptsächlich ich, weil ich gerade noch in der phase stecke, in der man sich dreitausend bücher reinzieht und alle möglichen abseitigen texte exzerpiert, um ja keinen sicherlich überaus wichtigen aspekt des themas zu übersehen (wenn man ihn übersieht, fällt man nämlich durch).
nicht immer mag ich beim arbeiten musik, aber manchmal finde ich das ganz angenehm, weil es mich von störenden gedanken ablenkt.

die frage nur, welche musik hört man da am besten?

es darf nichts sein, das ich sonst auch höre. ich befürchte nämlich, diese musik auf immerdar mit der magisterphase zu verbinden, und ich würde mir nur ungern calexico etc. verleiden. deswegen muss es musik sein, die ich nicht unangenehm finde, der ich aber gleichgültig genug gegenüberstehe, um sie schlimmstenfalls nie wieder in meinem ganzen leben ertragen zu können.
und was bietet sich da besser an als die kelly family?
die war ziemlich trendy, als ich klein war; ich kann also schon allein deswegen was damit anfangen, weil ich einer bestimmten altersgruppe angehöre. andererseits war sie nie trendy genug (beziehungsweise war ich nicht in den entsprechenden cliquen), dass ich wirklich ein fan gewesen wäre.** und ich kann mir sehr gut vorstellen, ohne eine einzige kelly-platte im gepäck für immer auf die einsame insel zu ziehen.

ich sitze also mehrmals wöchentlich vormittags von acht bis zwölf am schreibtisch, exzerpiere lazarus bendavid und höre dabei die kelly family. und zwar hauptsächlich das wunderbare »i can’t help myself«. dabei denke ich an »das unvermögen, sich seines verstandes ohne leitung eines anderen zu bedienen«*** und finde das kreuzkomisch.

* achill in heinrich von kleist, penthesilea, vierter auftritt.

** der leser wird sich jetzt fragen, was um himmels willen ich in meiner jugend gehört habe. kelly-fan war ich nicht, gothic war ich, wie man einem da unlängst erschienen eintrag entnehmen kann, ja auch nicht. was bleibt da bitte noch übrig?! naja, hier die antwort: der rebell in mir hat bad religion, nirvana und arbeiterlieder gehört, der innere intelligenzler hat auf woodstock-kram und ältere sachen geschworen, meine angepasste freizeitpersönlichkeit mochte unter anderem das modul und charly lownoise & mental theo (denn wonderful days belong to the best! // to the past, hat man mir gerade gesteckt; thank god auch das!). zugegeben, letzteres ist ziemlich hart, tut mir aber noch mehr weh als euch. und da ich normalerweise nicht darüber spreche, dachte ich mir, ich tippe es einfach mal ins internet. außerdem habe ich trotz alledem (also trotz hosen von pash, schuhen von airwalk und shirts von bad&mad) würde bewahrt: nie chemische drogen, nie love parade.

*** kant, das zitat, das wir alle irgendwo schon mal gehört haben.

gezuckerte mollusca

antwort auf die frage, wie man formidable schnecken ohne große mühe verfertigen könne.

zunächst bereitet man den vorzüglichen quark-öl-teig für kleingebäck.
dazu rührt man 150 gramm mageren quark (eventuell in einem geschirrtuch abtropfen lassen, wenn er zu wässrig ist), ein halbes glas milch und 100 ml neutrales öl (also kein olivenöl oder sowas; ich persönlich schwöre auf mazola, aber sonnenblumenöl geht auch sehr gut) in einer schüssel zusammen, so dass es eine himmlische flüssigmasse ergibt. sodann reichert man ebendiese mit 100 gramm feinem zucker und einem packerl vanillezucker an, worauf man eine verlockend-süße flüssigmasse erhält. nun verwirbelt man ein packerl backpulver mit 300 gramm mehl in einer anderen schüssel (so verhindert man, dass es später eklige backpulverklumpen im teig gibt) und fügt das unter stetigem rühren dem inhalt von schüssel eins hinzu.
dieser teig wird auf einer gut bemehlten arbeitsfläche rechteckförmig ausgerollt (vorsicht, der teig könnte klebrig sein; falls die arbeitsfläche nicht groß genug ist: erstmal nur eine hälfte ausrollen, später die andere hälfte genauso verarbeiten).

die teigfläche wird jetzt mit delikatem matsch aus 200 gramm gemahlenen haselnüssen, zucker nach geschmack (50 bis 100 gramm sind okay) und flüssigkeit nach gefühl (es sollte eben eine pampe sein) bestrichen.
jetzt wird der teig eingerollt (nochmal mit mehl bestäuben, falls er klebt). diese rolle schneidet man in einladende scheiben, in denen man bereits jetzt die formidablen schnecken erkennen kann, welche nach 20 minuten backzeit bei 160 bis 180 grad entstehen werden.
(die temperatur ist vom herd abhängig. bei umluftherden eher 160 grad wählen. alte herde sind gerne mal widerborstig, da muss man’s einfach ausprobieren.)

das ergebnis kann hell glasiert werden, wenn man böckchen darauf hat (oder wenn man eine unattraktive farbe vertuschen will), dazu empfehle ich 100 gramm puderzucker mit wenigen esslöffeln flüssigkeit (die man wirklich löffelweise reinrühren sollte, wenn man wenig erfahrung hat – ich habe beim ersten versuch zuviel genommen).

[ich weigere mich, fragen zu beantworten, die ungefähr in die richtung von »darf ich die gemahlenen haselnüsse durch mandeln ersetzen?« gehen. solange man nur mit genießbaren zutaten herumspielt, darf man in der küche grundsätzlich ALLES. phantasiebegabte zeitgenossen dürfen die füllung sogar mit zimt anreichern oder gar mohnschnecken backen.]

oh schwöre nicht beim mond

abgesehen von der handschuhsache hätte das aber ein prima kurzurlaub werden können, denn »von der ganz unglaublichen menge aberglaubens und geheimer künste, womit man sich itzt so innig und herzlich herumträgt, hat berlin, wie man von einer so großen stadt denken kann, einen nicht kleinen theil in sich.«
wer hätte das gedacht? der berliner als solcher ist also eine fragwürdige existenz. wenn das nicht mal aufregend und vielversprechend klingt! da musste ich natürlich hinfahren, denn mit fragwürdigen existenzen habe ich es ein bisschen (ein umstand, für den mein freundeskreis sich jederzeit verbürgen würde).

ergo reiste ich eines nachts nach preußen hinauf (zu einem abscheulichen schandmal moderner architektur, das sie dort einen »hauptbahnhof« nennen), ganz aufgewühlt und in freudiger erwartung der dinge, die dort geschehen würden, denn es wird einiges an werbung dafür gemacht:
»wer in den jahren 1780 und 1781 in berlin war, hörte gewiß auch von den wunderkuren eines mannes reden, der vorzüglich und anfangs einzig brüche, hernach aber auch andre krankheiten, durch mondschein und gebet unfehlbar heilte; den personen jedes geschlechts und jedes standes haufenweise besuchten; und der viel glauben fand, zuletzt auch bei leuten, die ihn nie gesehn noch weniger geprüft hatten, oder hätten prüfen können.«

ärgerlich, ich war wohl um 230 jahre zu spät. es heißt zwar »der monddoktor ist übrigens wahrscheinlich noch hier, und treibt, wie mehrere wahrsager und prophetinnen hier, seine kunst noch fort […]«, aber ich habe ihn nicht mehr angetroffen und ihn also auch nicht prüfen können.

eigentlich großer bockmist, aber thank god hat marcus herz, dem ich durch den weltgeistâ„¢ verbunden bin und der hier die funktion meines gewährsmannes übernehmen soll, ihn damals besucht und »diesen abscheulichen auftritt« 1783 in der berlinischen monatsschrift (aus der alle zitate stammen) aufgezeichnet.

marcus herz, der selbst arzt ist, scheint für astralmedizin wenig übrig zu haben und erklärt den hang bestimmter bevölkerungsschichten (hier: strumpfwirker – der eigentliche beruf des monddoktors) zum aberglauben mit deren profession: »ihre beschäftigung ist die einfachste […], ihr müßiger geist, der zu nichts erheblichem fähig ist, schweift daher in einbildungen und visionen aus, worin er noch durch das beständige singen geistlicher lieder während der arbeit unterhalten wird.« diese erklärung fügt sich ganz gut in die milieutheorie der aufklärungszeit ein, die davon ausgeht, das wesen der menschen sei allein durch ihre umwelt bedingt; die gesellschaftsform und die berufe also die schräubchen, an denen man drehen muss, um gute menschen zu produzieren.
aber sei’s drum, der neugierige herr herz findet sich also eines sommertages in der kommandantenstraße/ecke jakobstraße ein, wo aus allen querstraßen bereits elende drängeln, die kuriert werden möchten. das haus des monddoktors (welches herr herz ein elendes bierhause der untersten klasse nennt) befindet sich in einer straße, die »seitwärts aus der jakobstraße läuft«, und die damals hasenhegergasse hieß (und heute wohl irgendwie anders). es ist knackevoll mit leuten, die über ihre krankheiten und sagenhafte wunderkuren reden, und da sich der monddoktor an diesem tag um fünf stunden verspätet, geht marcus herz irgendwann wieder heim.
natürlich kommt er einen monat wieder und findet »flur und hof und stube mit einer erstaunlichen menge menschen angefüllt, die weit enger in einander standen, als bei der ersten brockmannischen vorstellung des hamlets« (johann franz brockmann that is), und alle leute sind ziemlich schnieke angezogen. schließlich kommt herr herz dann mit elf anderen an die reihe (einlass ist immer zu zwölft gegen eine spende von jeweils nicht unter zwei groschen), weil er so tut, als hätte er sich was gebrochen, und er ist vor spannung bis zum äußersten gezwirbelt, und er erwartet zauberkreise, magische figuren und gaukeleien, doch dann ist da ist nur dieser raum »ohne alle umschweife, maschinerien oder blendwerke« und »ein großer tisch in der mitte, und ein paar schemmel an der wand machte alles meuble aus.« jetzt wird marcus herz zeuge der wunderheilungen mit handauflegen, mond anmurmeln, knaben entkleiden und allerlei schnickschnack, nur bei ihm selbst funktioniert es nicht so recht, denn: »das kann ich nicht kuriren, sagte er (also der monddoktor); die leute denken auch, ich kann alles.« und dann schaut der monddoktor durchs fenster nach draußen und windet sich: »nun müssen wir einhalten, es ist wirklich eine streife über dem mond«, aber marcus herz sieht nichts dergleichen und hat sich um das fernere schicksal des doktors nie wieder bekümmert. zumindest behauptet er das, aber für diesen bericht hat es ja glücklicherweise trotzdem gereicht.

moses wessely what have i done to you?!

ärgerlich, dass ich nie eine gothic-phase durchlebt habe, denn dann besäße ich sicher noch diverse garnituren samthandschuhe und hätte am vorigen wochenende – angetan mit eben diesen samthandschuhen und zusätzlich ausgerüstet mit etwas glück, einem kreidesnack für mich und einem edelschokoladensnack für das diensthabende personal – unter strenger aufsicht in augenschein nehmen können, was ich dringend erwarte: moses wessely, hinterlassene schriften, 1798.
leider bin ich nicht aw schlegel, ergo befinden sich keine handschuh und nicht die neuste pariser mode an mir, und dass das buch so selten ist, wusste ich bis vor ein paar stunden auch noch nicht. blöd gelaufen.

magazin + maschine

ich habe die PM des 18. jahrhunderts entdeckt. und zwar handelt es sich dabei um peter moosleitners interessantes das hannoverische magazin, von mir auch gerne das magazin für kuriosen kram genannt. die herausgeber, das intelligenz-comptoir* von a.c. von wüllen, nennen es ein magazin, »worin kleine Abhandlungen, einzelne Gedanken, Nachrichten, Vorschläge und Erfahrungen, so die Verbesserung des Nahrungs-Standes, die Land- und Stadt-Wirthschaft, Handlung, Manufacturen und Künste, die Physik, die Sittenlehre und angenehmen Wissenschaften betreffen, gesamlet und aufbewahret sind«. ich bleibe trotzdem beim kuriosen kram. erschienen ist es von 1763 bis 1790 als zeitungsbeilage als wöchentliche zeitungsbeilage in, überraschung!, hannover. nach 1790 wurde es dann unter mehreren anderen namen bis 1850 weitergeführt.

das magazin ist so gut, dass ich mir sogar eine ausgabe gekauft habe.

wie ihr erkennen könnt, geht es in dieser ausgabe um die »Beschreibung einer Maschine, vermittelst deren man den Kindern die Buchstaben und das Lesen nicht nur weit leichter, sondern auch geschwinder als auf die herkömmliche Weise beybringen kann«.

wie sieht die maschine aus?
»Diese Maschine ist als ein flaches, Eines Fusses lang, nach der Vielheit der Stäbe aber ungefehr 6 bis 8 Zoll breites, und beynahe einen Zoll dickes viereckiges Kästgen gestaltet, welches auf ein dazu gepaßtes Pult gelegt, und den Kindern durch die hintere Höhe näher zu Gesicht gebracht werden kan. Es besteht aus einer willkührlichen Anzahl Stäbe, nachdem man eine lange Zeile, oder auch das lateinische Alphabet und die Zahlen dabey haben will. Auf den ersten dieser Stäbe ist das grosse, auf jedem der folgenden aber, das kleine Alphabet vollkommen nebst allen Zeichen, als: Puncten, Frage- Ausrufungszeichen etc.** mit gedruckten Lettern aufgesetzt. Zwischen einem jeden Buchstaben bleibt ein kleiner Zwischenraum, der mit einer Linie, so man will, abgetheilt wird, damit just in den leeren Raum der Buchstabe mit seiner Linie oben und unten passe, und der nächstfolgende nicht gesehen werden könne. Desgleichen kan auch wol mit dem lateinischen Alphabet und einer aufs sauberste geschriebenen deutsch und lateinischen Litteratur, als einer Vorschrift zum Schreiben, die so oft, als man der vorigen müde ist, durch Zusammenziehung anderer Wörter vielfältig verändert werden kan, auch geschriebenes fertig lesen zu lernen, auf eben die Art verfahren werden. Diese Stäbe liegen ohne Zwischenraum in jenem viereckigten Behälter dich an einander. Jedes Stäbchen ist kaum so breit, als der breiteste Buchstab Raum einnimt; dessen Hähe einen halben Zoll ausmacht, die Länge aber mit seinem Behälter gleich ist. Unten an jedem Stäbchen ist ein gedrehter Knopf, bey welchem man dasselbe herausziehen kan, und bey demselben eine Feder, welche die Stäbchen fest in ihrem Kasten hält. An jedem Stäbchen oben ist ein kurzer Absatz, der in der obern Decke des Kästgens läuft, damit die Schrift beym Ziehen wohl lieget, und nicht gescheuert werden kan; auch zugleich dazu dienet, damit die Stäbchen, wenn sie bis ans Ende gezogen werden, in ihrem Behälter sitzen bleiben. Ãœber denen Köpfgen der Stäbe ist in dem Kasten, noch nicht ganz am Ende, eine von beyden Seiten einwärts geschärfte einen halben Zoll breite Fuge, so mit einem Schieber bedeckt wird, das weisse Papier vor dem auffallenden Staube zu verwahren. In dieser Fuge lassen sich die gezogenen Buchstaben sehen; ausser dem Zuge eines Stäbchens aber ist die ganze Fuge weiß. Unterwärts des Kästgens bedecket die Stäbe bey deren Herausziehen eine etwas erhabene Decke. Die Materie, woraus diese Maschine besteht, ist gutes gesottenes Apfel- oder Birnbaumholz. Kostbarer, dauerhafter, und weit besser ist sie von Messing. Denn diese Stäbe können sich nicht werfen oder quellen. Stählerne können es auch seyn, wenn sie nicht zu leicht vom Roste angegriffen würden. Man kann sie auch von Knochen machen lassen; welche fast eben so gut, als die meßingenen sind. Dieses wäre die ungefehre Beschaffenheit der Maschine.«

zum gebrauch der maschine alsbald mehr in der fortsetzung!

* heute nennt man das Redaktion
** mir rundem r (klickbar!) geschrieben

in the flesh?

nach einem anstrengenden tag im lesesaal des grauens, an dem ich unter anderem schriftlich dargelegt habe, dass sich im werther genau bei wort 22 (»hier«) diskurswelt und textwelt überlagern, hatte ich gestern eigentlich vor, mir zur entspannung abends ein bisschen gestellten und verzerrend zusammengeschnittenen übelschrott im fernsehen reinzuziehen. hat leider nicht funktioniert.
da in der sendung war also eine frau, die als it-girl arbeitet und für eine woche mit einer anderen frau tauschen sollte, die in metzgerei arbeitet. nun weigert sich die it-girl-arbeiterin, die metzgerei zu betreten, weil sie vegetarierin ist. ein paar szenen weiter vorne wurde die it-girl-arbeiterin allerdings dabei gefilmt, wie sie eine krokodiljacke kauft (ich dachte, es gäbe dafür ein handelsverbot, aber vielleicht war die jacke nicht echt), den geschmack von sushi lobt und austern in sich hineinsaugt.
warum dieser schein-vegetarismus?
hm nun. in der europäischen kulturgeschichte ist der verzicht auf säugetierfleisch bei gleichzeitigem verzehr von fischfleisch keine seltenheit. in röm 14,21 schreibt paulus: »Es ist gut, kein Fleisch zu essen, noch Wein zu trinken […]«. der fleischverzicht (nicht aber der fischfleischverzicht) findet sich infolgedessen bei zahlreichen mittelalterlichen mönchsorden, etwa den benediktinern und den zisterziensern, hat dort aber religiös-asketischen und nicht ethischen hintergrund (unter »ethisch« fasse ich hier alle argumentationen, die wertvorstellungen nicht von göttlichen gesetzen ableiten: die herleitung der menschenrechte aus der gottesebenbildlichkeit ist in meinen begriffen also eine religiöse argumentation; beruft man sich stattdessen auf die menschenwürde, so ist es eine ethische argumentation), was sich bei paulus auch am nebeneinander von fleischverzicht und alkoholabstinenz zeigt. es ist verlockend, mit der zweiten satzhälfte eine brücke zur ethischen argumentation zu schlagen, denn es geht weiter mit: »[…] noch etwas zu tun, worin dein Bruder sich stößt oder sich ärgert oder schwach ist.« verlockend, aber auch trügerisch, weil bereits kurz vorher (röm 14,17) eindeutig klargestellt wurde, dass es hier nicht primär um die frage geht, wie gutes leben und glück anderer gewährleistet werden kann, sondern um das demütige leben als gläubiger: »Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken […]«. einen asketischen eindruck macht die it-girl-arbeiterin allerdings nicht im geringsten.
eine weitere erklärung für das verhalten der it-girl-arbeiterin wäre ein (eventuell veraltetes) pathozentrisches weltbild. der pathozentrismus, eine position aus dem bereich der naturethik (ursprünglich zurückgehend auf den utilitaristen bentham), misst allen empfindungsfähigen lebewesen einen intrinsischen wert zu, das bedeutet, einen wert, den sie um ihrer selbst willen inne haben. innerhalb des pathozentrischen weltbilds ist es also moralisch geboten, beim eigenen handeln nicht nur die interessen anderer menschen, sondern auch die interessen zumindest von denjenigen tieren zu berücksichtigen, die schmerzen/leid empfinden können (hier wird der bezug zum utilitarismus deutlich). innerhalb des pathozentrismus gibt es unterschiedliche abstufungen: eine spielart vertritt eine gleichrangigkeit der interessen von tieren und menschen, eine andere (der nicht-egalitäre pathozentrismus) stellt die interessen des menschen im zweifelsfall über die interessen von tieren. ich glaube, dass viele menschen ungefähr aus diesem grund vegetarier werden: sie wollen es vermeiden, tieren leid zuzufügen. die frage ist nun: können fische schmerz empfinden? ein nirvana-songtext sagt: »it’s okay to eat fish, cause they don’t have any feelings«, und tatsächlich war diese position früher relativ gängig. heute, nachdem man schmerzrezeptoren in fischen gefunden hat, ist das anders. unstrittig ist, dass fische schmerzen wahrnehmen können und darauf reagieren. umstritten ist, ob fische schmerzen so verarbeiten, wie menschen es tun (eine zusammenfassung unterschiedlicher forschungspositionen findet man hier: http://www.catch-release.de/print.php?id=11 (klickbar!)). aber wie auch immer das mit den fischen ausgehen mag: ich gehe davon aus, dass die it-girl-arbeiterin sich nicht für sowas interessiert.
stattdessen unterstelle ich der it-girl-arbeiterin, dass sie sich einfach angesagt wirken und sich grünwaschen (klickbar!) möchte.
da kann man jetzt auch wieder abwägen: einerseits ist vegetarismus sicher nicht die schlechteste sache, deretwegen man als hip und moralbewusst angesehen werden kann. und es freut mich, dass vegetarische ernährung so weit »in der gesellschaft angekommen« ist, dass leute überhaupt in erwägung ziehen, das als modern zu empfinden. vor zehn jahren noch wurde ich dann und wann schräg angesehen, wenn ich nach vegetarischem essen gefragt habe. und manchmal wussten leute, die mich eingeladen hatten, nicht, was sie für mich kochen sollten. das immer größer werdende angebot an »vegetarierbedarf« in normalen supermärkten und zahlreiche vegetarische rezepte in zeitschriften haben dazu geführt, dass ich mich wesentlich seltener wie ein außerirdischer fühle, als ich es früher getan habe.
(und immer diese frage: was isst du denn dann?! na was werde ich wohl essen? schmackhafte nahrung! ein auszug aus meinen selbst zubereiteten mahlzeiten der letzten wochen: walnußbrot mit ziegenfrischkäse und waldhonig, kokoskuchen, wirsingquiche, kastanienrisotto, feldsalat mit granatapfeldressing, gebackener ziegenkäse, spinatpizza, kartoffelgulasch, birnentarte, saure linsen, zwiebelkuchen, nußschnecken, hirsotto, haferbrei mit obst, pilzpfanne mit dinkel, ofenkartoffeln, nudeln mit lauchgemüse, linsencurry mit reis, scones, tortilla usw usw)
andererseits ärgert es mich tierisch volle möhre, dass den rtl2-zusehern ausgerechnet eine inkonsequente modevegetarierin, die sich aufgrund ihres berufs als it-girl für etwas besseres hält, als prototyp des vegetariers von heute präsentiert wird. wo es doch so viel besseres gibt! (klickbar!)

apropos flüssig

zu den dingen, die mich traurig stimmen, deretwegen ich also einen fluß heulen könnte, gehören nicht nur krieg, artensterben und liebeskummer, sondern auch menschen, die sich in internetforen danach erkundigen, ob man auch mal obst in den haferbrei reinschnipseln könnte, weil es sie reizt (oder »reizen würde«), das mal mit einer birne auszuprobieren. wäre schön, wenn espen lind mal ein lied darüber schreiben könnte.

crash! boom! bang! 1774

Da versahs einer, Patsch eine Ohrfeige, und über das Gelächter der folgende auch Patsch!
Ich bin zu nah in der Atmosphäre, Zuk! so bin ich dort.
Unter uns, ich passe die Zeit ab, wenn er zu thun hat, wutsch! bin ich draus, und da ist mir’s immer wohl, wenn ich sie alleine finde.

[aus goethe: die leiden des jungen werthers]