was man über kisten wissen muss

Am Hafen von Genua sind Facchini thätig, die kleine Papp-Kisten in ein Boot verladen. Das Verladungs-System ist ebenso prompt wie einfach. Man wirft die Kisten die kleine Steintreppe herunter, an deren Fuß das Boot hält. Können sie aber dabei nicht ins Wasser fallen? Gewiß, das können sie, und das thun sie auch öfter. Dann werden sie mit großem Lärm herausgefischt, und die Heiterkeit unter den wackeren Hafenarbeitern erreicht ihren Höhepunkt. Der wahre Humor von der Sache aber ist ihnen nicht zugänglich. Dieser wahre Humor besteht nämlich darin, daß auf jede dieser Kisten, die die Steintreppe herunterkugeln, in deutscher Sprache das Wort »Z e r b r e c h l i c h!« gemalt ist.
– aus paul goldmann: ein sommer in china –

cavazzoni: mitternachtsabitur

»Das kennt man doch aus Träumen: Plötzlich soll man das Abitur nachholen.« – so beginnt der text, der mir den kauf von ermanno cavazzonis mitternachtsabitur schmackhaft machen soll.
aber ja doch, das nehme ich mit, denn tatsächlich leide auch ich unter dieser krankheit: schon lange bin ich für germanistik eingeschrieben und cresciere, floriere, brilliere. aber vorsicht, die ständeklausel! auf dem höhepunkt meines schaffens angelangt, stellt sich heraus, dass ich in wirklichkeit gar kein abitur habe. in biologie durchgefallen. der gesamte biologieunterricht ab der achten klasse inklusive der abiturprüfung muss jetzt wiederholt werden, und die tragödie nimmt ihren lauf.
seit letzter nacht aber bin ich rekonvaleszent. das erste mal überhaupt in diesen träumen musste ich nicht wieder in die schule gehen, sondern nur die abiturprüfungen wiederholen. ich interpretiere also noch einmal nelly sachs, diskutiere noch einmal das für und wider der fraktionsdisziplin, übersetze einen englischen text über einwanderungspolitik und stöpsle in der mündlichen prüfung irgendwas über das ökosystem wasser zusammen. jemand, den ich gut finde, holt mich vom prüfungsmarathon ab, und es stellt sich heraus, dass ich alles mit 1,0 bestanden habe. ja weißt du, sage ich zur netten begleitung, das ist doch kein wunder. ich bin jetzt 28 und fühle mich langsam zu alt für diesen quatsch. natürlich kann ich das alles. noch nie habe ich mich so erwachsen gefühlt. jede zelle meines körpers ist graduiert.
und letztendlich habe ich cavazzoni zitiert, in diesem befreienden traum: »Das ist doch Quatsch«, sage ich, »hören Sie auf!«

riefenstahl und rockmusik

zur stunde erbauen zehntausende fanatische anhänger der rockmusik in nürnberg eine gigantische zeltstadt. alljährlich versammelt sich die jugend des partyvolks am reichsparteitagsgelände, um den kultfilm triumph des willens an den historischen originalschauplätzen nachzustellen.
– von harry giese gesprochen –