bemerkung zum tagesgeschehen

georg klein hat den preis der leipziger buchmesse erhalten! gratulönchen! ich habe den roman unserer kindheit zwar noch nicht gelesen, aber wenn er so gut und klug und toll ist wie barbar rosa, dann war das eine angenehm geschmackvolle entscheidung der jury. hoffentlich werden die feuilletons jetzt mit artikeln über ihn geflutet.

wieder dieser sealsfield

weil’s so schön war: »Es ist dieser Faust unstreitig das glänzendste Geistesprodukt, das seit Shakespeares und Miltons Dichtwerken erschienen ist, und Lord Byron hat keines geliefert, das ihm die Palme streitig machen könnte; denn in Byron beleidigt uns der gräßliche Egoismus, der im Zerrblicke aus jedem seiner Werke hervorleuchtet, und uns immer und immer wieder seine Individualität zu schauen bemüssigt. Von dieser Individualität merkt man bei Göthe wieder nichts, höchstens eine gewisse epikuräische Indolenz, oder einen indolenten Epikuräismus, wie Sie es nehmen, der ihm zuweilen ungemein wohl ansteht, zuweilen beleidigt.« sowas könnte ich stundenlang lesen, ehrlich. schade, dass es kein hörbuch gibt, das wäre ideal für lange zugfahrten auf öden strecken.

im korbstuhl

gestern hatte ich einen dieser seltenen momente, in denen ich mir einbilde, dass sie mir tatsächlich was beigebracht haben an dieser universität. der moment ereignete sich im music&books in der nürnberger innenstadt und war so schön, dass ich mich erstmal in einen korbstuhl setzen musste. ich hatte gerade ein band sealsfield, charles sealsfield, aus dem regal gegriffelt und angefangen, darin herumzuschmökern. während ich also schmökerte, fand ich darin eine vollkommen übertrieben hymne auf walter scott. »Ich kenne wieder keinen Schriftsteller, der von der Heiligkeit seines Berufes mehr durchdrungen gewesen wäre, als Walter Scott es in seinen ersten dreizehn Romanen war.« »In der Mannigfaltigkeit seiner Charaktere ist ihm nur Shakespeare überlegen, in der ruhigen klaren Weltanschauung erreicht ihn nur sein Zeitgenosse, der deusche Göthe.« das ist auch für 1835 eine ziemlich steile these, außerdem ein affront gegen shelley, aber den scheint er sowieso nicht zu mögen, jedenfalls gibt es angeblich keine annehmbare englische faust-übersetzung. einen wahren kern hat das kuriosum aber doch. walter scott war für viele autoren durchaus stilprägend, sogar für heinrich heine, der den scott prinzipiell ganz gerne mochte, obwohl er inhaltlich mit einigem gar nicht einverstanden war. nehmen wir zum beispiel den ersten satz aus scotts ivanhoe: »In that pleasant district of merry England which is watered by the river Don, there extended in ancient times a large forest, covering the greater part of the beautiful hills and valleys which lie between Sheffield and the pleasant town of Doncaster.« dann eine beschreibung von rittersitzen und schlössern. zum vergleich der erste satz aus heines rabbi von bacharach: »Unterhalb des Rheingaus, wo die Ufer des Stromes ihre lachende Miene verlieren, Berg und Felsen, mit ihren abenteuerlichen Burgruinen, sich trotziger gebärden, und eine wildere, ernstere Herrlichkeit emporsteigt, dort liegt, wie eine schaurige Sage der Vorzeit, die finstre, uralte Stadt Bacherach.« dann eine beschreibung von türmchen und zinnen. an all das dachte ich in meinem korbstuhl.