tales of the city

wenn sie lustig oder philosophisch oder beides werden, erzählen leute gerne mal komisches zeug. das ist zunächst gute unterhaltung, aber irgendwann ausgereizt, wenn es immer das gleiche komische zeug ist. ein dauerbrenner ist diese üffes-geschichte, die jeder von uns schon mal ganz in echt, ehrlich, also jetzt fei¹ wirklich, selbst erlebt hat. aber für schlechte partys (das sind die, auf denen ich nur durchhalte, wenn ich mir meinen eigenen gesprächspartner aus dem persönlichen geek-fundus mitbringe) mag sie taugen. um einiges weniger erträglich sind diese ätzenden linguistischen pseudoweisheiten, mit denen man als germanist zwangsläufig irgendwann, etwa auf schlechten partys, konfrontiert wird.
da gibt es zum beispiel diese geschichte über den schnee. sie geht zurück auf ein buch von franz boas (the mind of primitive man), in dem er schreibt: »As another example of the same kind, the words for »snow« in Eskimo may be given. Here we find one word expressing »snow on the ground«; another one, »falling snow«; a third one, »drifting snow«; a fourth one, »a snowdrift«.« ja nun. das ist schon ganz interessant (wenngleich nicht völlig korrekt), ungefähr so interessant, wie dass es im deutschen ein wort für »schnee, der über ein jahr lang irgendwo herumliegt« gibt. es heißt firn. und die plastikdinger am ende eurer schuhbändchen heißen benadelung.
vor ein paar tagen habe ich bei cassirer sowas ähnliches gefunden. er erklärt da unter anderem, dass die bakairi keinen gattungsbegriff für papageien haben, sondern stattdessen die einzelnen arten benennen. als quelle auf verweist er auf »unter den naturvölkern zentral-brasiliens« von karl von den steinen. ich hab mal nachgeschlagen, und von den steinen schreibt das tatsächlich: »Jeder Papagei hat seinen besonderen Namen und der allgemeine Begriff Papagei fehlt vollständig, ebenso wie der Begriff Palme fehlt.« allerdings unterschlägt cassirer, der beweisen will, dass »das Bestreben der Sprache, ehe sie zur Schaffung bestimmter Klassenbezeichnungen und Gattungsbegriffe gelangt, vor allem auf die Bezeichnung der Varietäten gerichtet« ist, dass es sehr wohl »ein Wort für Vogel [gibt], das wahrscheinlich geflügelt bedeutet […]«. und borges kennt klassenbegriffe für tiere, die dem kaiser gehören, und tiere, die mit einem sehr feinen kamelhaarpinsel gezeichnet sind. kamele gibt es bei cassirer in diesem zusammenhang aber auch, denn: »Hammer² hat in einer eigenen Abhandlung nicht weniger als 5744 Namen für das Kamel im Arabischen zusammengestellt, die je nach dem Geschlecht, nach dem Alter oder nach irgendwelchen individuellen Kennzeichen des Tieres variieren.« das ist auch wieder ganz interessant, vielleicht vergleichbar mit den wörtern, die wir für hund kennen, von afghane bis zwergdackel; darunter auch die genaue bezeichnung für einen kleinen, im folkloristischen umfeld süddeutschlands lebenden hund, den man ein zamperl heißt. und dann gibt es da noch einen buchstaben, den man das gimel nennt. ich kenne ihn aus den hebräischkursen meines besten freundes; und das gimel ist ein stilisiertes kamel.

¹ modalpartikel, süddeutsch.
² bezieht sich auf hammer-purgstall: das kamel. das nächste exemplar steht leider in münchen in der stabi.

von der dunklen seite

escortkunde dirigiert den chauffeur zur tanke für »zigarett-nah«. haha. zuerst erklärt die tante vom escortservice, dass sie keine prostituierte ist, weil sie sich selbst aussucht, mit wem sie ins bett geht. paar takes später schläft sie mit jemandem, der einen der grauenhaftesten dialekte der welt spricht. mühsam aufgebaute aura der selbstachtung vollkommen destroyed.