ergänzung

der ein oder andere wird sich gefragt haben, warum ich städte namens achim und hagen so schnöde ignoriert habe.
leider ist es so, dass, soweit die deutsche zunge klingt, dort wo man weltkrieg für einen nationalsport und stuckrad-barre für einen guten autor hält, nicht nur die unfähigsten servicemitarbeiter hervorgebracht werden; nein, auch jeder andere blödsinn muss mindestens einmal ausprobiert werden (studiengebühren, käseschokolade, wiedervereinigung, beleuchtete biergläser und so weiter). die kuckucksuhren gehen hier anders, man könnte auch sagen: das volk tickt nicht ganz richtig.
und so erscheint mir die vorstellung, eines tages den satz »gestatten Sie, hagen hagen aus hagen« erdulden zu müssen, nicht abwegig, weswegen ich mich gegen den vornamen hagen aufs schärfste verwehre.

sô wart daz kint tristan genant

obwohl die titanic »die Marotte vieler VIPS, ihr Kind nach einer berühmten Stadt zu nennen« als »total out« bezeichnet, folgt hier anstelle eines jahresrückblicks die erste hälfte der liste der zehn deutschen städtenamen, welche ich am ehesten für die namentlichen bezeichnung eines abkömmlings tauglich erachte.
zunächst aber eine auswahl der städtenamen, welche für derlei zwecke absolut ungeeignet sein dürften. der menschenwürde und nicht zuletzt meiner ehrenrettung zuliebe sollte kein kind auf dieser welt brunsbüttel, königs wusterhausen, knittlingen, pritzwalk oder gar müllrose heißen müssen. auch quickborn wäre nur im falle einer äußerst spontanen spontangeburt ansatzweise zu rechtfertigen.

platz zehn: bacharach in rheinland-pfalz
könnte gut als ausgefallener, alttestamentarischer name durchgehen. wo gestalten wie nebukadnezar auftauchen, kann man sich problemlos einen bacharach vorstellen.

platz neun: raguhn in sachsen-anhalt
abkürzung für ragna-hiltrun.

platz acht: lohmar in nordrhein-westfalen
der für seine hygienischen bestrebungen berühmte. von PIE (protoindeueuropäisch) *lou (waschen, vgl. auch lat. lavare) und -mar. ungefähr wie volkmar (der im volk berühmte)

platz sieben: kandel in rheinland-pfalz
kandel, der oder die scheinende. vergleiche auch lat. candela oder PIE *kand (leuchten, glühen usw.).

platz sechs: ranis in thüringen
lässt sich etymologisch nicht so gut begründen, aber janis, denis, enis und lunis können als präzedenzfälle angeführt werden.

ohne sinn und verstand

ich möchte heute mit zwei theorien an die öffentlichkeit gehen.

1.) wer das warschauer ghetto überlebt hat, möchte vielleicht nicht ins dschungelcamp.
2.) einige aussagen sind, obgleich sie sich als solche tarnen, weniger darlegungen über andere personen, als vielmehr bekenntnisse des sprechers über sich selbst.

»Seine verbalen Entgleisungen würde ich gern sehen. Dabei könnten die Zuschauer erfahren, ob er wirklich so clever ist, wie es sein Image scheinen lässt. Oder ob er nur ein Choleriker ohne Sinn und Verstand ist.«

[sonja zietlow in tv digital; über spon.]

glitzer wichser

»Ã¼berall glitzert und funkelt es«, zumindest behaupten das die leute im fernsehen.
hier allerdings glitzert und funkelt es höchstens, wenn man der fama glauben schenkt, augen könnten vor wut funkeln, denn dann täten die meinigen es in diesem moment. ein moment, der zeitlich genau eine woche vor meinem 26. geburtstag verortet ist. und ein moment, in dem ich aus einem supermarkt zurückkehre, in welchem ich beim kauf einer tafel ritter sport williams-birne trüffel JUGENDSCHUTZGEPRÜFT wurde.
demütigungen pflastern meinen weg.

die charakterbraue

»das ist meine charakterbraue«, brüllte david. »meine eine augenbraue geht nach oben, die andere nach unten! einmal hab ich einen typen getroffen, mit dem ich sogar mehrmals geschlafen habe, und der hatte das auch nie bemerkt.« – »oh david«, sagte ich auf der anderen seite des hörers, »erzählst du das eigentlich gerade auf offener straße?

gekrakel vom orakel

habe mich im traum mit einem freund unterhalten, der (und jetzt kommen ein paar tolle formulierungen!) all meine kirre irrnis und wirrnis, das tosende tohuwabohu, mit einem einzigen satz löste; dieser satz erschien mir so klug und stimmig, ich musste ihn mir notieren. heute morgen nach dem aufstehen fand ich also einen prophetischen zettel neben meinem bett, auf den ich folgendes gekritzelt hatte: »das ohr, nicht die erfahrung, erzählt sich das«. ach so. ja. dann wird das wohl so sein. darauf hätte ich echt mal selbst kommen können.

annäherung an mich selbst

endlich konnten kluge zeitschriftenpsychologen meine entzückende persönlichkeitsstruktur vollends entschlüsseln. weil das sicher für all meine mitmenschen von größtem interesse ist, hier die ergebnisse:
ich bin geistreich, dunkelhaarig, sartre, sprachgewandt wie shakespeare, ganz nett, leidenschaftlich wie das leben selbst; bin zu jeder tageszeit voll der anteilnahme an jedermanns schicksal, sei es noch so belanglos; sollte soldat, komponist und punkrocker werden, in alaska leben, meinen urlaub in paris verbringen; ich schmecke nach kaffee und muschelsuppe, kann in der wildnis überleben, bin ruhig und ausgeglichen wie ein dunkelblauer buntstift, werde dich beim ersten date nicht küssen und hasse es, wenn du dabei die initiative ergreifst; ich bin verschwenderisch wie august der starke, illuminiere meine wohnung trotzdem nur mit kerzen; meine augen sind violett, meine aura golden, meine muttersprache isländisch; ich habe einen latenten hang zu hochmut und zorn, liebe aufmerksamkeit genauso wie das große drama und lebe dennoch zurückgezogen und bin realistischer als ein roman von stifter.

radio gaga

bei douglas adams gibt es irgendwo eine stelle, wo eine frau beschrieben wird, deren frisur sie erscheinen lässt, als trüge sie das opernhaus von sydney auf dem kopf¹. ungefähr so, wie ich mir diese frisur vorstelle, muss heute ein musikgeschmack aussehen, um als schick zu gelten; und wenn man sich durch einen derartigen musikgeschmack auszeichnet, kann man als entschädigung seine haare tragen, wie man will. da mein eigener direction d‹arome leider aufs unerfreulichste gewöhnlich ist, muss sich da was tun, und zwar schleunigst. also höre ich seit ein paar minuten boystown live aus chicago, aber das hält man ja echt nicht aus. also wechsle ich auf pinke radio, aber das ist auch nicht viel besser, wenngleich nicht so schrecklich dance-lastig. und immerhin habe ich jetzt gelernt, dass man offensichtlich jedes beliebige lied auf die melodie von sweets for my sweet spielen kann. tamilisches radio macht auch nicht glücklich, sondern nach spätestens zwei minuten ziemlich aggressiv. radio noutizil übrigens auch, da werden verstörende klangcollagen aus mauritius gespielt. gut, geht das leiden also weiter. leider gefallen mir weder anime seed radio (vermutlich japanisch oder so), hardcore speedcore breakcore (maschinenstampfgeräusche) noch das ancient faith radio, auf dem man sich ununterbrochen von orthodoxen liturgischen gesängen beschallen lassen kann.
aber macht ja nichts, denn eigentlich wusste ich schon, wie das mit diesen radiostationen läuft: »Sie bergen ein Versprechen auf Individualität, welches, von vorneherein fragwürdig, nicht eingelöst wird beziehungsweise erst gar nicht eingelöst werden kann, denn auch die Unterschiede werden in das System integriert; Subkulturen sind kein Gegenentwurf zur Massenkultur, sondern werden nach demselben Prinzip beliefert wie der mainstream.«

¹ und wer mir die genaue stelle in die kommentare schreibt, kann irgendwas gewinnen. zum beispiel meine dankbarkeit dafür, dass ersie mir ein paar minuten lebenszeit gespart hat; ich bin zu träge, um das jetzt selbst nachzuschlagen.