berufsperspektiven als geisteswissenschaftler

einer meiner kino-arbeitskollegen (mag keine menschen, isst ständig äpfel) hat jetzt endlich ein berufliches ziel gefunden (davon weiß ich, weil ich ihm während unserer gemeinsamen schichten gerne mal gespräche aufdränge). er möchte gerne ein ziereremit werden. ich glaube, er hat in dem bereich ganz gute chancen. als filmvorführer ist er an ein leben in dunklen höhlen (bzw. schlecht klimatisierten projektionsräumen) bestens gewöhnt.

max goldt hat öfter mal recht

zum beispiel gibt es von herrn goldt einen text namens »intaktes abdomen dank coolem verhalten«, in dem er die vorzüge eines intakten abdomens beschreibt. nun befand ich mich gestern und heute auf einem seminar, wo ich nicht nur ermüdende und ungebetene kurzvorträge über die verschiedenen worte für schnee im deutschen (sulz, harsch, firn usw.) und die ambivalente beziehung der deutschen frühromantiker zu goethe (des freiherren europa-aufsatz) hielt, sondern mich auch, das muss ich leider zugeben, in anderer beziehung ein wenig uncool verhielt. denn als wir draußen schullandheimartig an einer sitzgruppe herumlungerten, rauchten und uns über unsinn unterhielten und mit unserem halbwissen herumprollten, spazierte eine bis dahin noch intakte spinne meinen unterarm entlang. da das zum einen etwas kitzelte, zum anderen teile des auditoriums dezent anekelte, wollte ich das tierchen lässig hinfortschnicksen; wenn man das im richtigen winkel tut, segelt das krabbeltier elegant auf den rasen und geleitet sich hinfort. nun ja. ich bin ja zuweilen etwas ungeschickt und, der ein oder andere mag es geahnt haben, erwischte natürlich einen grundfalschen schnickswinkel. also schmierte sich ein schleimiges oberschlundganglion meinen schönen unterarm entlang; und leider kann ich nicht behaupten, dass das auditorium nach dieser aktion meinerseits weniger angeekelt war als zuvor. dazu wage ich eine hypothese: das ekelgefühl der am schicksal der spinne unfreiwillig anteilnehmenden wurde durch deren noch zuckende beinchen nicht gerade vermindert. mir tat die geschichte ja auch leid, war aber leider trotzdem nicht in der lage, etwas anderes zu tun als meinen arm panisch wegzustrecken und »aaaaahhh! mach das weg!« zu kreischen. varun erbarmte sich dann schließlich und säuberte mich taktvoll. ich kann jetzt nicht so genau einschätzen, ob die situation insgesamt ekliger war als die wenige stunden zuvor, als ich von einem vogel angekackt wurde, habe mir aber fest vorgenommen, mich das nächste mal etwas cooler zu verhalten, damit ich nicht wieder von unästhetischem eingeweidematsch befleckt werde.