die mörder sind unter uns

letzte nacht so kurz vor halb drei. mein bekannter und ich stehen in einer tankstelle, die nach zwanzig uhr alkohol nur noch an reisepublikum abgibt, das heißt: an personen, die mit dem auto vorfahren. nach einer anstrengenden lesung über eine familie, in der alle nasenbluten, super-8-kameras und freunde mit bindehautentzündung haben, gelüstet es uns nach eiscreme. und zwar soll es ein magnum sein. wir wählen unser eis aus, als wäre es die kleidung für unseren abschlussball, mein bekannter nämlich eins mit dunkler schokolade, ich ein weißes. wir scherzen darüber und gehen zur kasse. romantische geigenmusik setzt ein. das freundliche verkaufspersonal scannt elegant das magnum meines begleiters. oh, sagt mein bekannter, und eine schachtel chesterfield bitte. ich gucke irritiert, wir zahlen.
gleich danach dann draußen. seit wann er chesterfield rauche? ach, erklärt er, das sei ja eigentlich eine typische mördermarke. man denke nur an death proof. während ich herauszufinden versuche, ob wir jetzt wirklich, immerhin ist es mitten in der nacht, gemeinsam in meine wohnung gehen sollten, schaltet irgendjemand die romantische geigenmusik einfach ab.

daylight, i’m so absent-minded

leider derzeit überaus beschäftigt. in kürze hier zu lesen: die zitate aus the wall, mit denen ich meine mutter am liebsten begrüße. mein standpunkt zum kurtschatowium und zu den transuranen.
ansonsten erwähnenswert: t. hält sich nicht mehr für joan collins. will jetzt heftchenromanautor werden. d. immer noch in tel aviv. er hat sich den rücken enthaaren lassen. ich höchstselbst las aus langeweile im zug titan (jean paul), death kit (susan sontag), lunar park (bret easton ellis), a spot of bother (mark haddon), die titanic, die konkret und diverse adelsschicksalsromane (zu studienzwecken). of montreal haben ein neues album. es ist recht ordentlich.

was zuvor geschah

vor ein, zwei wochen die letzte seminararbeit abgegeben und breche nun endlich das mir selbst auferlegte schweigen, berichte von einer erstaunlichen begebenheit, die zu beobachten ich vor einigen tagen das vergnügen hatte. nämlich saß damals, als ich unterwegs war auf dem weg zur bank, ein wenig bargeld abzuheben, um später noch ein schmales rosa bändchen kluger worte erwerben zu können; also damals, als ich entschieden hatte, mein bücherregal um derridas ausführungen über schurkenstaaten aufzustocken, weil ich, zumindest was frisur, zerknitterte leinenhosen und zeitweilige launen angeht, auch gerne mal der villain-typ bin, wobei ich das mir fehlende kantige kinn durch gewisse gesten ausgleiche, also beispielsweise kann ich einen pistolenlauf ablecken, während ich zeitgleich eine augenbraue verwegen lupfe. diese villainhafte attitüde, welche ich zumindest in dieser hinsicht aus waffenrechtlichen gründen selbstverständlich nicht im guten alten europa, sondern im good old wild west, geographisch genauer gesprochen im midwest auslebe; diese villainhafte attitüde also ermuntert nicht gerade viele menschen, mir frühmorgens nach dem aufstehen gesellschaft zu leisten, obwohl ich genau zu dieser tageszeit nicht das typisch villaineske verhalten an den tag lege, mich also nicht befleißige, missmutig äugend und schweigend schwarzen kaffee in mich hineinzuschlürfen, um wach genug zu werden, die anwesenden ordentlich anschnauzen und aufmischen zu können, sondern ganz im gegenteil; morgens greife ich zu einem molkedrink auf eis, der ist so richtig lecker, und danach dusche ich sehr lange sehr warm. aber meiner verkommenen leinenhose wegen sind die personen, die über mein aufstehverhalten bericht erstatten können, rar gesät. aber ich schweife ab, wir waren auf dem weg zur bank, den ich verwegen blickend beschritt, die beine meiner hose flatterten im wind; auf diesem weg zur bank, der nicht der war, den ich üblicherweise ging, denn einmal mehr wurde in der stadt eine irritierende marktveranstaltung abgefeiert, die straßen waren gesäumt mit kauflustigen; und obwohl ich es durchaus zu schätzen weiß, wenn bewunderer mir bei erledigung meiner tagesgeschäfte spalier stehen, drängle ich mich eher ungern durch hysterisch venezianischen fisch erwerbende menschenmengen; ich befand mich also auf dem weg zur bank, und die begebenheit, auf die ich seit vielen zeilen schon hinaus will, ist diese: nämlich damals, als ich auf dem weg zur bank war, ein wenig bargeld abzuheben […], da saß mitten auf der straße ein mann, und jetzt darf ich nicht wieder abschweifen, also der saß da mitten auf der straße auf einem stuhl und stimmte sein spinett.