von den plattmühlen

ich weiß jetzt, dass auch seriöse autoren sätze im fantasy-stil schreiben, also auf seite eins gleich mal ohne erklärung diverse figuren und orte mit adelstiteln und fremdländisch klingenden namen einführen. zum beispiel so: »an einem schönen frühlingsabend kam der junge spanische graf von cesara mit seinen begleitern schoppe und dian nach sesto, um den anderen morgen nach der borromäischen insel isola bella im lago maggiore überzufahren.« recht gelungen finde ich auch diesen satz: »diese zweifache glut hob den malerischen heros zur gestalt eines römischen musengottes empor.«
wer schoppe und dian sind, wird aber kurz darauf erklärt. schoppe ist »die rändelmaschine und der prägstock, der [den jungen grafen] münzt, der glättzahn und die plattmühle, die ihn bohnt, der mann, der ihn regelt«; dian ist »ein grieche von geburt und ein künstler«. außerdem erfahren, was whistonsche kometenkarten und wilkesche magnetische neigungskarten sind, außerdem, dass der bischof von novara einen degen führt.

marmelade im schuh

ich habe am mittwoch meine »intertextuelle bezüge zum alten testament in else lasker-schülers hebräischen balladen«-seminararbeit abgegeben und sehe seitdem in allen dingen intertextuelle bezüge, sogar in schuhen. sah gestern zum beispiel ein mädchen, das trug karierte stoffschuhe mit totenköpfen drauf, und dachte so, hm, die verweist mit diesen schlappschuhen auf badezimmerfliesen aus den achtzigern, das barocke memento mori, außerdem auf gothic novels (vgl. otranto, castle of; otranto liegt in apulien, apuleius ist ein rhetoriker aus karthago, da haben wir dann wieder zerstörung und tod; außerdem shelley, mary + percy; bin zum shelley-aufreißen leider knapp zehn jahre zu alt), piraten und schlechten geschmack. und sankt pauli. dann ein anderes mädchen, welches rote ballerinas mit weißen punkten drauf spazieren führte, die verweist also auf die unglaubliche artenvielfalt im käferreich, außerdem auf den prix de lausanne, und wahrscheinlich hält sie vadim muntagirov für einen begnadeten tänzer. oder nein, das tue ja ich.
dass ich den schein für die arbeit seit heute habe, hat mich kaum geheilt. ich saß heute lange zeit in der bibliothek und studierte darüber, dass lenz in seinen anmerkungen übers theater radikaler war als herder 1773 in habjetztvergessenwo, studierte außerdem conjectures on original composition von young und herders geniebegriff, da ging ein mädchen durch die büchertürme, die trug schuhe, die größtenteils aus einer ums bein geringelten schnur bestanden (also jeweils), und ich dachte mir so, hm, die verweist jetzt aber ganz schön heavy auf die typische mediale darstellung römischer gladiatoren.

man kannte schon damals die systembauweise

ich habe für heute mit dem lernen aufgehört, weil ich inzwischen eine chevy-chase-strophe erkenne, wenn ich eine lese. chevy chase ist übrigens nebenbei ein amerikanischer komödiant, weil man ja nicht 24/7 ballade sein kann (vergleiche dazu auch tropen, welche nebenbei eine klimazone sind, weil man nicht 24/7 rhetorische stilfiguren sein kann). kommod auch meine tätigkeit jetzt: auf der couch liegen und mich von einer dokumentation über den dreißigjährigen krieg berieseln lassen. ich bin nun allumfassend darüber informiert, wie man als feldscher jemandem die arme auf den rücken bindet, um ungestört den meißel ansetzen zu können. an knifflige aufgaben, also wunden mit öl ausbrennen oder so, würde ich mich zwar noch nicht unbedingt rantrauen, aber zum gedichte formal sezieren reichen meine bescheidenen kenntnisse hoffentlich allemal aus.