l´art poor l´art

ich gründe aus langeweile ab und an gerne zeitlich befristete kunstprojekte, die auch wahnsinnig viel aussagen. ungefähr so, wie die überschrift hier.
das letzte mal war ich musikproduzentin und habe unter dem namen foxi thorhammer mit lmms äußerst tanzbare discobeats kreiert und diese dann mit selbstkomponierter zwölftonmusik unterlegt, damit sich das niemand mehr freiwillig anhört. eine einzigartige symbiose aus schöpfung und zerstörung. und so dialektisch, dass hegel neidisch wäre. ich wollte damit irgendwas kritisieren, vermutlich die gesellschaft oder so.

diesmal bin ich performänzkünstler und lese stimmungsvolle gedichte von brentano über liebe, weltschmerz und todessehnsucht, zwischen deren zeilen ich kleine rap-pöbeleien über frauen und geschlechtsteile einfüge. nun bin ich mir nicht sicher, ob ich damit brentano verspotten oder den trivialen romantikbegriff oder geschlechterrollen kritisieren will, die sache ist auf jeden fall höchst bedeutsam.

country leaver #2

nach einem gespräch über den gewitzten plan, in england mit amerikanischen mentholzigaretten so richtig dicke geld zu verdienen und nachdem jeremy endlich fast seinen flug nach newcastle verpasst hatte, konnte ich mich wieder meinen alltagssorgen widmen (deo verschwunden, auf dem flughafen verlaufen, die absicht der fluggesellschaft, mich mit ständigen gateänderungen in den wahnsinn zu treiben). aber immerhin, zwischen mir und dem ostersonntagsessen bei meiner oma lagen nur noch wenige hundert kilometer luftlinie und eine kurze, aber enervierende flugzeit, die ich mit noch mehr alkohol und diversen panikanfällen (wilde turbulenzen, geruch der anderen menschen, deren deo offensichtlich auch verschwunden war, truhe mit wertvollem microwave popcorn für verloren gehalten, da halbe stunde am falschen rundlaufband gewartet) dann doch gut zu überbrücken wusste.
einige wochen später erreichte mich die frohe botschaft: jeremy begab sich mit seinen eltern auf eine europareise durch frankreich, die schweiz und deutschland und wollte die gelegenheit nutzen, um für ein paar tage bei mir abzusteigen. und bis es so weit war, beschäftigte er mich mit seinen reisevorbereitungen, was ich dazu nutzte, mit ein paar seiner vorstellungen über junge europäer im allgemeinen und mich im speziellen aufzuräumen (yes, switzerland and france border germany; no, i don’t go there all the time) und großartige ratschläge bezüglich sightseeings an den mann zu bringen (der dichter und denker nummer eins möge es mir verzeihen, ich empfahl heidelberg anstelle von frankfurt. er kann sich aber wieder beruhigen, frankfurt bekam aufgrund seines internationalen flughafens, von dem aus man super nach chicago fliegen kann, den zuschlag). glücklicherweise hatte ich der fußball-wm zu ehren sowieso fast keine seminare belegt und daher für diesen ganzen quatsch zeit.
irgendwann im juli dann der große tag, ich holte jeremy vom bahnhof ab (vorher erreichte mich ein hysterischer anruf: my ticket says Gleis eight! what the hell does Gleis mean?!). übrigens, der aufmerksame leser wird es vermutet haben, auf gleis acht. wir dann erstmal in meine wohnung, gepäck abstellen, danach in den park, wein trinken. am nächsten tag große besichtigungstour (z.b. das geburtshaus von henry kissinger morgens um acht. heute befindet sich darin ein tätowier- und fetischladen. außerdem: weihnachtskitsch bei käthe wohlfahrt, ein shoppingexzess bei h&m usw. deutsche kultur eben). danach ergab sich ein kleines problem. jeremy wollte den ganzen tag bier trinken und die unterschiede zwischen angelsächsischen und deutschen schwulenpornos diskutieren, ich aber hatte es mir bereits in meiner jugend zur lebensaufgabe gemacht, jährlich das waldfest des bund naturschutz im schmausenbuck zu besuchen, um dort colagetränke aus ökologischem anbau zu verkosten. und das waldfest war nun mal gerade jetzt. jetzt! jeremy hatte auf waldfest ungefähr so viel lust wie auf ein kaffeekränzchen mit der heilsarmee, ließ sich aber durch die aussicht auf deutsches bier aus ökologischem anbau locken. außerdem gab ich das waldfest als »really awesome forest festival with interesting bands and all that kinda stuff« aus, um der sache einen coolen anstrich zu verpassen. ein weiterer teil des deals war meine zustimmung zu einem abendlichen treffen mit seiner myspacebekanntschaft aus der region.
das waldfest verlief erwartungsgemäß größtenteils ätzend. die dort auftretenden blaskapellen und coverbands waren zwar eindeutig interesting, aber nicht im geringsten awesome. das einzige, was jeremy bewunderung abrung, war ein festredner, der über den deutschen mischwald sprach und seine worte ebenso umnachtet intonierte wie hitler.
also wieder nach hause, um vorbereitungen für die verabredung am abend zu treffen (stundenlang telefonieren, stundenlang umziehen). auf dem weg zum treffpunkt bekam jeremy in der straßenbahn einen nervenzusammenbruch, ich konnte ihn aber beruhigen, indem ich ihm meinen spezialtrick verriet, mit dem man prima aufdringliche leute los wird (in einem vertraulichen moment ganz nahe an den anderen heranschmiegen, dann ein tiefer blick in die augen und der satz: »sag mal, hattest du eigentlich mal eine zahnspange?«).
punkt neunzehn uhr standen wir vor der lorenzkirche. die verabredung lief auf uns zu und fragte: »so, what have you done today?« – »oh, we have been to a really awesome forest festival«, sagte ich. »forest festival?« wiederholte david, welcher nämlich die verabredung war, fragend. »oh yeah«, sagte jeremy, »it’s kind of cool. they worship trees.«

country leaver #1

david zieht nach tel aviv. mit wem ziehe ich um die häuser?

es begann in einem flugzeug. wurde beim check-in aufgehalten (erwecke offensichtlich den eindruck, als wäre ich in der lage, devisen in einer höhe auszuführen, die mir schmerzen und dem zollpersonal kontrollust bereitet) und betrat die maschine als eine der letzten. zwischen mir und meinem platz, tatsächlich wie von meinem travel agent versprochen am fenster in einer der ersten reihen, die einzige attraktive person im ganzen raum.
ich: kannst du mich bitte mal durchlassen?
person: huh? sorry?
ich: sorry, could you please let me through?
person: yeah, no problem.
hakte auf meiner liste die ersten punkte (familie verabschieden, einchecken, hinsetzen) ab und begann, mich zu den kniffligeren tasks vorzuarbeiten (schlaftabletten nehmen, ohne wie eine medikamentenabhängige irre zu wirken, schlafen), was mir nicht so recht gelingen mochte. die person neben mir schien ein ähnliches programm geplant zu haben, war aber ebenso erfolglos. orderten daher eine unmögliche menge rotwein, die zwar ernüchternd gering ausfiel, mir aber immerhin die genugtuung verschaffte, im us-amerikanischen hoheitsgebiet nach einer alkoholbestellung das erste mal nicht nach dem ausweis gefragt zu werden (übliche reaktion auf meinen deutschen personalausweis: holy cow! ich dann meistens: yes, i’m part of the crazy german herrenvolk. anyway, can i have my drink please?). als sich mein sitznachbar ordentlich lockergetrunken hatte, führten wir eine weitere kleine unterhaltung, diesmal über das gewicht seines gepäcks, das die fluggesellschaft nahezu in panik versetzt hatte, worauf sein flug umgebucht wurde und so weiter. und das nur, weil er ungefähr eintausend us-amerikanische fertiggerichte, salad dressings (geschmacksrichtung ranch, falls es jemanden interessiert) und instantkartoffelbrei nach england importieren wollte. frechheit. dabei seien diese nahrungsmittel für ihn als amerikaner lebenswichtig, die briten hätten nämlich keinen instantkartoffelbrei und irgendwas muss man ja essen und überhaupt. hatte zwar selbst eine eisenbeschlagene reisetruhe, vollgestopft mit rice-a-roni, salad dressing (geschmacksrichtung blue cheese, falls es jemanden interessiert) und microwave popcorn, zu importzwecken dabei, tat aber aus gründen der coolness so, als hielte ich das problem meines reisebegleiters für absurder als einen deutschen personalausweis. welcher übrigens der nächste gegenstand unserer unterhaltung war. jeremy, so meines schmucken sitznachbars name, hatte sich nämlich mal in einer lage befunden, die es erforderte, in der kölner wohnung eines fremden mannes musik von rosenstolz zu hören. ein erlebnis, das ich ihm nicht im geringsten neidete, für ihn aber eine spirituelle erweckung darstellte. jeremy, ursprünglich baptistisch erzogen, fühlte sich seitdem dem deutschtum zugewandt und verfolgte mehr oder minder ernsthaft den plan, in deutschland englischlehrer zu werden, weswegen er an seiner uni in england einen anfängerkurs in dieser sprache mit den »crazy umlauts« und den »words as long as a ****« belegt hatte. die nächsten sieben stunden verbrachten wir folglich mit dem lernen von vokabeln und dem trinken von noch mehr rotwein und dem ein oder anderen irischen cremelikör auf eis.
danach adressentausch und frühstück (ich: den obligatorischen chocomel; jeremy: ungefähr zwanzig tassen kaffee) auf dem schiphol.

demnächst: jeremy in deutschland + die auflösung der frage, was das eigentlich mit david zu tun hat.

erkenne deinen nächsten wie dich selbst

einige onlinepsychotest haben es mir endlich verraten:
mein traumjunge ist belesen, einfühlsam, kennt all meine schwächen aus dem effeff wie mein analytiker; ist verständnisvoll, schüchtern, schwer zu haben, mildtätig wie mutter theresa, hat diverse sternzeichen; ist romantisch wie brentano, klug wie da vinci, erklärt mir beim ersten date mathematische formeln und kocht ständig pasta mit acht verschiedenen soßen am strand; ist punk, franzose, gleichzeitig aber auch brad pitt, harmonisch wie mozart, ein märchenheld, rothaarig, nimmt nahrung ausschließlich bei kerzenschein zu sich; ist braunhaarig, crazy wie ein tritonus, ganz normal und der absolute schulschwarm. außerdem heißt er, warum auch immer, maximilian.
bin aber ansonsten zu fünfzig prozent nicht von normalen heterosexuellen zu unterscheiden.