nicht fair und auch nicht foxy

dass es nicht schadet, sich mit dem objekt seiner artikel wenigstens ansatzweise zu beschäftigen, zeigt claus christian malzahn bei spiegel online. bei nichtbeschäftigen, also so wie in malzahns artikel, entsteht schlimmstenfalls dieses: »Wer von uns hat ein Handke-Buch – sagen wir, der letzten 20 Jahre – von vorn bis hinten durchgelesen und nicht nur weithin sichtbar im Regal drapiert?«, so der eine satz. und dann, haha, »Das Interessanteste, was man in den vergangenen 20 Jahren über den Schriftsteller Peter Handke berichten konnte, war seine Affäre mit der schönen Schauspielerin Katja Flint.« der andere.

aber das reicht wohl nicht aus. »Mit mehr als 15.000 in quälender Langeweile gesetzten Wörtern behelligt uns Handke diesmal«, nörgelt malzahn weiter, ist sich dann aber selbst nicht zu fein, seinerseits mit ekelbröselchen wie « Holla, wie hat der alte Zausel denn die Bella erobert?« (was man sich angeblich fragt, nachdem man durch bunte-lektüre davon erfahren hat, dass der handke mal ne freundin namens katja flint hatte) zurückzubehelligen. scheinheilig auch der vorwurf, handkes text bestehe hauptsächlich aus ressentiments – dem herrn malzahn scheint das eigentlich ja zu gefallen. oder warum sonst sollte er selbst in diesem stil schreiben?
ganz gut dann wieder der letzte satz: »Deshalb schweigen wir ab heute über Handke.« möge der autor des artikels das beherzigen. ein großer verlust wird es nicht sein.

hinzugefügt sei, was ich schon in meiner mail an spiegel online schrieb: herr malzahn, es bleibt Ihnen selbstverständlich unbenommen, meine beschwerde als »banal und weinerlich« abzutun, wie es Ihr bevorzugter umgang mit texten zu sein scheint.

communication breakdown

weil ich mich nicht dafür schäme, dass hier keine interaktion stattfindet (interaktion nämlich ist eine form der kommunikation, bei der ich wahrnehmen kann, wie der andere mich wahrnimmt und andersherum. kommunikation unter anwesenden also, bezogen auf den jeweils anderen. bei blogs ist das eher nicht der fall. eine blogschreiberin richtet sich an niemanden speziell, die artikel sind, von fiesen zugangsbeschränkungen durch soziale ungleichheiten mal abgesehen, für jeden lesbar, auch mehrmals, zu beliebigen zeiten.), trickse ich nicht auf der semantischen ebene herum (wie z.b. radiomoderatoren, die ihre zuhörer persönlich begrüßen und ihnen so das gefühl zu geben, eine interaktion fände statt. die andere seite ist aber nicht minder gewitzt und steigt durch emotionale bindungen an die plappermäulchen darauf ein). hier findet nicht einmal eine parasoziale interaktion (so nennt man diese interaktion, die keine ist) statt. das will ich wirklich in aller deutlichkeit sagen, denn sonst muss ich mich womöglich eines tages wie harald schmidt mit faz-artikeln herumschlagen, falls ich mir einen bart wachsen lasse.
[originaltext kursiv, am 29. juni versehen mit dem verständnis dienlichen anmerkungen]

wie ich lederers vasarely verschenkte

1999 verstarb in erlangen der künstler helmut lederer. durch einen zufall wurde mir die ehre zuteil, an einer führung durch sein haus teilzunehmen. dort gelangte eine sehr hübsche flasche champagner (1978er jahrgang) in meinen besitz (»nehmen Sie das ruhig mit, die wird sonst nur weggeworfen«). die glasflasche war mit einem taubenblauen plastikmäntelchen versehen, auf dem es ein bildchen zu bestaunen gab, das fast nach einem vasarely aussah. die verpackung gefiel mir so gut, dass ich den champagner wochenlang auf meinem schrank herumstehen ließ.
einige Zeit später wurde ich auf eine WG-einweihungsparty nach bochum eingeladen. rolf wünschte sich von mir als antrittsgeschenk eine waschmaschine, was ich mir aber nicht leisten konnte. stattdessen brachte ich ihm den taittinger mit.
viele wochen später stöberte ich gelangweilt im internet herum und fand dort eine seite, auf der der wert des champagners ungefähr mit dem gegenwert einer waschmaschine beziffert wurde. und natürlich war das bildchen wirklich von vasarely. hab sofort den rolf angerufen, um ihm zum abschied vom waschsalon zu gratulieren. blöd nur, dass er den champagner inzwischen zum katerfrühstück getrunken hatte.

wie viele luftballons…

…braucht man wohl, um den wildecker herzbuben mit dem bart fliegen zu lassen?

es sind 3800 gasgefüllte ballons, wie uns der jörg pilawa gerade in der sendung »deutschlands größte Hits« verraten hat. man könnte die Sendung wohl auch »deutschlands langweiligste mitteilungen« nennen; und hier schließt sich der ring.