something old

über geschichtsfälschung: „Der König David Bericht“ von Stefan Heym.

Der Roman handelt vom Schreiber Ethan, einer Intellektuellenfigur, die an den Hof des Königs Salomo bestellt wird, um dort als Mitglied einer Kommission einen „Bericht über den Erstaunlichen Aufstieg und so fort“ König Davids, des Vaters Salomos zu verfassen. Was sich zunächst als Gnade Salomos gegenüber Ethan darstellt, erweist sich als tückisch, denn das Ziel des Berichts ist es, Salomos Legitimation als Herrscher sicherzustellen. Dieser baut seinen Machtanspruch darauf, von David erwählt worden zu sein, der wiederum der Legende nach von Gott selbst als König über Israel ausgewählt wurde. Doch würde dieser Status Davids angezweifelt, wäre dadurch freilich auch die Rechtmäßigkeit der Herrschaft Salomos in Frage gestellt. Dass die Davidserzählung faktisch nicht korrekt sein kann, zeigt sich an zahlreichen Details. Allein darüber, wie David an den Hof seines Vorgängers Saul gelangte, gibt es zwei miteinander konkurrierende Geschichten. Die Erzählung vom Sänger (1. Sam 16,14ff) und die vom Bezwinger des Riesen Goliath (1. Sam 17) schließen einander eindeutig aus, denn „in beiden Überlieferungen begegnen David und Saul einander zum ersten Mal“, und so wird an zwischen den beiden Geschichten die knappe Bemerkung eingefügt, David habe Saul wieder verlassen, um die Schafe seines Vaters zu hüten. Hierbei ist die Darstellung der Belege für die Goliathgeschichte besonders interessant. Da es weder Augenzeugen des Ereignisses noch Aufzeichnungen darüber gibt, werden drei Geschichtenerzähler eingeladen, um die Faktizität des Kampfes gegen den Riesen durch Rückgriff auf die mündliche Überlieferung zu fundieren. Als die drei erzählten Geschichten einander auf das Wort gleichen, werden sie in den Status einer historischen Tatsache erhoben, wobei allerdings bewusst unterschlagen wird, dass es sich bei ihnen, wenn man von der eindeutigen zeitlichen Kontextualisierung absieht, sowohl dem Inhalt als auch der Struktur nach um ein typisches Volksmärchen handelt. Und steht das Volksmärchen zwar in Korrespondenz mit der faktischen Außenwelt, so verbürgt es sich dennoch nicht für historische Tatsachen.

2 Gedanken zu “something old

  1. Lehrreicher Artikel. Interessant, wenn man sowas auch mal aus einem anderen Blickwinkel beschrieben lesen kann.

  2. Ich würde gern auf die Nacht antworten, aber es graut schon; so in etwa?

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