blöde nuss

eigentlich wollte ich heute ein fragment aus dem wunderbaren hannoverischen magazin vom jahre 1787 präsentieren, in dem es um das schachspiel und seine ähnlichkeit mit der musik geht; eine verbindung, die durch einen verweis auf den namensgeber der philidor-verteidigung unterstrichen wird, denn der ist »von allen franzosen unstreitig der größte tonkünstler.« nachdem das aber ja, ich zitierte es eben, unstreitig ist und daher keiner weiteren erklärung bedarf, präsentiere ich nun etwas anderes, nämlich das von mir eben entdeckte nussrätsel.

an das schach-musik-fragmet schließt sich ein artikel an, in dem heinrich wilhelm rotermund »ueber die titulaturen« spöttelt und erzählt, »die stadthalter einer asiatischen provinz haben schon seit undenklichen zeiten her den sonderbaren und lächerlichen titel, die muskete des trostes, und die rose des vergnügens.« sonderbar indeed! denke ich mir und will natürlich mehr darüber herausfinden.
ich entdeckte eine weitere belegstelle im vierten band der österreichischen zeitschrift feierstunden für freunde der kunst, wissenschaft und literatur von 1834. dort heißt es, »ein sophi von persien führte nach dem berichte des engländers howel folgende titel: das hohe und mächtige gestirn, dessen haupt mit der sonne bedeckt ist; der herr der gebirge caucasus und taurus, der flüsse euphrat, tigris, araxes und indus; der abglanz der ehre, der spiegel der tugend, die rose des vergnügens, die muskatnuß des trostes. so schmolz der gewaltige herr aus einem sterne in eine nuß zusammen.« aber moment mal? warum denn eine nuss? war es nicht eigentlich eine muskete gewesen? irgendwas stimmt da nicht!
als nächstes wühle ich die intercepted letters von thomas moore hervor. dort nämlich findet man im sechsten brief die zeilen »nutmeg of comfort! rose of pleasure!«, und dann – endlich – auch diesen ominösen engländer, welcher james howell heißt und im 17. jahrhundert gelebt hat. außerdem hat er 1645 bis 1655 die epistolae ho-elianae verfasst, in dem es den einen, besagten brief mit der muskatnuss gibt, den ich irgendwann vielleicht noch ganz zitieren werde, weil er so ist, wie er eben ist. damit die geschätzen faulbären unter den lesern sich das nicht reinziehen müssen (und ich das nicht komplett tippen muss), kommt aber hier schon die auflösung zur nuss: james howell schreibt vom sophy of persia, dessen titel da lautet »the star high and mighty, whose head is cover‹d with the sun, whose motion is comparable to the ethereal firmament, lord of the mountains caucasus and taurus, of the four rivers, euphrates, tigris, araxis, and indus; bud of honour, the mirror of vertue, rose of delight, and nutmeg of comfort. it is a huge descent, methinks, to begin with a star and end in a nutmeg.« sogar den witz am ende haben die österreicher also geklaut!

es scheint mir also erwiesen, dass es sich bei der muskete des trostes um einen fehler handelt. selbst, wenn die englische quelle, in der von »the nutmeg of comfort« die rede ist, nicht aufzufinden gewesen wäre; es ist historisch ziemlich unwahrscheinlich, dass sich »the sophy of persia« eine muskete des trostes nennt, denn die muskete ist eine europäische waffe der frühen neuzeit und passt im gegensatz zur rose nicht in das metaphernkonvolut persiens (eine these, die ich freilich wage, ohne hier nähere informationen zu besitzen). einen übersetzungsfehler kann man aber wohl ausschließen, da die worte NUTMEG und MUSKET einander nicht sonderlich ähneln. die worte MUSKAT und MUSKETE aber sehr wohl, daher könnte der fehler bei einer zitation einer deutschen übersetzung entstanden sein. aber wo? wusste da jemand nicht, was muskat ist? kann ich mir kaum vorstellen.

und wer ist eigentlich »the sophy of persia«? in den texten, die ich hier erwähnt habe, ist das sowohl »ein stadthalter einer asiatischen provinz«, »ein sophi von persien« als eben auch »the sophy of persia«. man findet den titel »rose of delight« aber auch dem »king of persia« (israel disraeli in curiosities of literatur, 1835) und dem »gouvernor of shiras« (encyclopaedia britannica, 1823; weitere belegstellen 1813 und 1839) zugeordnet, und im philosophischen wörterbuch von voltaire (1764) etwas vage »et tel gouverneur de province qui s’intitule muscade de consolation et rose de plaisir […]«.

soso, MUSCADE also (die muskete wäre im französischen le MOUSQUET). und ist es nicht interessant, dass rotermund genau die titel angibt, die man bei voltaire findet, den restlichen rattenschwanz, der ja nicht minder schräg klingt, aber gar nicht erwähnt?
könnte sein, dass hier der hund begraben ist! es gibt nämlich noch eine übereinstimmung zwischen rotermund und voltaire. beide erwähnen den marquis von louvois. voltaire schreibt: »on conte qu’un vieil officier qui savait peu le protocole de la vanité, ayant écrit au marquis de louvois: monsieur, et n’ayant point eu de réponse […]«, und bei rotermund liest sich die geschichte so: »eben so nahm es der marquis von louvois einem erfahrnen officier sehr übel, daß er ihn nur als monsieur tituliret […].«

aber welche quelle hat voltaire benutzt? er kennt anscheinend nicht alle titel und ordnet sie keiner genauen person zu. ach du wunderbares nussrätsel!

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