[nummer 803]
heute mal wieder einen nicht unbeträchtlichen teil des tages in öffentlichen verkehrsmitteln. dabei st. petri-schnee von leo perutz gelesen. ein roman, in dem zwar nur von berlin nach osnabrück gereist wird (zumindest ist das der unstrittige teil der reise), den ich aber trotzdem zur reiseliteratur im weiteren sinne zählen möchte, weil danach mindestens durch chloroformwolken weitergereist wird. außerdem: »Reisende in Maschinen, in Winterartikeln, in Reißverschlüssen und in Porzellanwaren wurden gesucht«, und das rechtfertigt ja alles.
und, kurz noch, eine religiöse extase wird heraufbeschworen, aber dann passiert das hier:
»Ja, die Glocken läuten, aber sie läuten Sturm und die Bauern singen, aber nicht Marienlieder, sondern die Internationale.«
interessant, weil 1938, fünf jahre nach der veröffentlichung von st. petri-schnee, voegelins politischen religionen erscheinen. natürlich ist die sozialistische idee dem wesen nach keine totalitäre; trotzdem gibt es parallelen zwischen den wirkungsmechanismen von massenbewegungen aller art, insofern auch eine politische ideologie doch immer über sich selbst hinausweist. deus lo vult!